SQL Azure für die Klinikbranche: Cloud-Wissensplattform verschafft Ärzten und Managern mehr Markttransparenz

logoWohin geht die Reise auf dem Gesundheitsmarkt? Diese Frage stellen sich vor allem Klinikmanager. Um den künftigen Bedarf einschätzen zu können, mussten Krankenhäuser bislang selbst die Daten über Marktentwicklungen sammeln oder teuer ein­kaufen. Daher machte sich Alois G. Steidel, Vorstandsvorsitzen­der der KMS AG, schon seit einiger Zeit Gedanken darüber, wie sich Daten aus der Gesundheitsbranche zentral zur Verfügung stellen lassen. Als die Cloud-Datenbank Microsoft SQL Azure auf den Markt kommt, ist die Zeit reif: Steidel beginnt, umfangreiche Daten zu sammeln. Mal kauft er Mailingdaten, mal kooperiert er mit einem Institut, um Daten über Altersstrukturen und Einkom­mensverhältnisse zu erhalten. Schließlich startet er EYE ON HEALTH, eine Wissensplattform, die Krankenhäusern deutsch­landweit detaillierte Brancheninformationen liefert. Als Basis von EYE ON HEALTH dient Microsoft SQL Azure. Die KMS-Kunden erhalten so beispielsweise die Möglichkeit, geografische Daten in die Wettbewerbsanalyse einfließen zu lassen. KMS bietet die Basisdienste kostenlos auf EYE ON HEALTH an, erst detaillierte Abfragen sind kostenpflichtig.

1651992f4c[1]”Ich könnte einen Varta-Führer für deut­sche Krankenhauskantinen schreiben“, scherzt Alois G. Steidel. Die Gesundheits­wirtschaft ist sein Feld, dort verfügt der IT­Unternehmer über intime Branchenkennt­nisse. Steidel hat 1996 die heutige KMS Vertrieb und Services AG gegründet. Aktu­ell beziehen 400 Krankenhäuser seine IT­Lösungen für das Klinikmanagement. Da­mit ist KMS führend im deutschen Klinik­markt für Data-Warehouse. Steidel kennt die Herausforderungen der Branche. Da spielen Themen wie Gesundheitsreform und knappe Budgets eine große Rolle. Gleichzeitig suchen die Krankenhäuser nach Möglichkeiten, sich besser zu ver­markten und neue Kundenkreise zu er­schließen. Dazu benötigen sie Marktver­gleichszahlen, Arztinformationen oder auch Bevölkerungsstatistiken. Diese helfen Klinikmanagern, Planungen für die ge­schäftliche Entwicklung zu erstellen. Je­doch sind klinikübergreifende Markt- und Unternehmensinformationen Mangelware. Die Daten müssen teuer eingekauft oder aufwendig gesammelt werden.

„Microsoft SQL Azure eröffnet uns die Möglichkeit, jede Art von Daten aus der Gesundheitswirtschaft zu sammeln und an zentraler Stelle bereitzustellen.“

Alois G. Steidel, KMS Vertrieb und Services AG

Daten im stationären Silo

Um diese Daten zu speichern und zu ver­arbeiten, bietet KMS seinen Kunden ein Data-Warehouse an, das auf die Gesund­heitsbranche zugeschnitten ist. „Doch der Aufwand ist enorm, die Datenbank regel­mäßig mit neuen Marktzahlen zu aktuali­sieren“, erläutert Steidel. „Jede Klinik, jede Krankenversicherung und jeder Kostenträ­ger betreibt bisher eine eigene Datenhal­tung.“ Bei 400 betreuten Häusern sum­miert sich der Aufwand. Allein bis zu acht Wochen vergehen, um die häufigen ge­setzlichen Änderungen per Update in die IT-Systeme einzupflegen.

Die individuelle Datenhaltung erschwert darüber hinaus jede Form der Analyse, die über das eigene Unternehmen hinausgeht. Viel gefragt ist beispielsweise eine Bench­mark mit vergleichbaren Anbietern oder eine Marktübersicht zu einweisenden Ärz­ten. Bislang war stets KMS als Dienstleister gefordert, das Data-Warehouse mit exter­nen Daten zu füttern.

Als IT-Fachmann hat Steidel verfolgt, wie in den vergangenen Jahren die Möglich­keiten für Hosting immer ausgereifter wurden. Daher hatte er schon länger eine Idee: Ideal wäre es, stünden die Daten in einem zentralen Topf zur Verfügung. Alle Kunden könnten sich dort bedienen, die Administration wäre deutlich leichter. Auch könnte man die Daten besser kombinieren, was neue Services und Einblicke ermögli­chen würde.

„Mit unserer Plattform sieht eine Klinik schon nach drei oder vier Mausklicks, welche Leistungen heute angeboten werden, wo die Patienten herkommen und welche Potenziale die Einzugsgebiete bieten.“

Alois G. Steidel, KMS Vertrieb und Services AG

Ein Datenpool für alle

Im Frühjahr 2010 kommt Microsoft mit der Cloud-Datenbank SQL Azure auf den Markt. Microsoft ist Technologielieferant für KMS. Daher erhält Steidel frühzeitig Einblick in die Technik. Schnell erkennt er: „SQL Azure eröffnet uns die Möglichkeit, beliebige Daten aus der Gesundheitswirt­schaft zu sammeln und an zentraler Stelle bereitzustellen. Technisch gesehen stellte sich der Realisierungsaufwand schnell als überschaubar heraus.“

Die Idee einer zentralen Plattform reift her an. Welche Art von Daten biete ich an? Woher bekomme ich sie? Als Datenbasis kommt eine Vielzahl von Informationen infrage, etwa demografische Daten, Klinik­daten, Ärzteverzeichnisse, Infrastrukturda­ten. „Die Herausforderung bestand darin, Markt- und Unternehmensdaten in best­möglicher Qualität zu erschließen.“ Daraus sollte ein leben diger und wachsender Wissens pool entstehen. „Ich wusste zu die­sem Zeitpunkt selbst noch nicht, wie sich das entwickeln würde“, erzählt Steidel. Er ist jedoch Profi genug und kennt die zen­trale Frage: „Schon vor uns haben viele Fir­men viel Geld investiert, um Wissensplatt­formen aufzubauen. Aber keiner hat es geschafft, diese Services kostengünstig und dauerhaft anzubieten.“

Cloud erneuert Geschäftsmodell

Steidel setzt auf eine Mischung aus kos­tenlosen und kostenpflichtigen Daten. Und auf ein neues Geschäftsmodell. „Bisher be­treiben die Krankenhäuser ihre Datenpools als Erweiterung ihrer jeweiligen Branchen­anwendungen“, so Steidel. „Deren Pflege ist aufwendig und teuer: Hochwertige Da­tensätze wie ein aktuelles Fachärztever­zeichnis kosten bis zu 100 000 Euro.“ Das können sich nur wenige Häuser leisten. „Wenn wir aber die Kosten auf viele Kun­den aufteilen, kommen wir in einen Be­reich, der für mehr Krankenhäuser interes­sant sein wird“, berichtet Steidel.

Bei KMS entschied man sich daher für ein radikal anderes Geschäftsmodell und bie­tet Basisdienste kostenlos an. Steidel: „Un­sere Kunden bezahlen bereits für Wartung und Pflege ihrer Systeme. Daher wollten wir erst einmal einen Mehrwert schaffen.“ Deswegen stehen einfachere Informations­angebote auf www.eye-on-health.com kostenlos zur Verfügung, für detaillierte Abfragen hingegen müssen Nutzer zahlen.

Wissen hat viele Gesichter

Viel Kreativität erforderte die Datenbe­schaffung. Um eine hohe Aktualität zu ge­ringen Kosten zu erreichen, sammelt KMS permanent Daten aus unterschiedlichen Quellen. „Einmal existieren vielfältige frei verfügbare Marktdaten“, so Steidel. „Auch einige Krankenkassen steuern verwertbare Informationen bei.“ Ein Anbieter von Mas‑

senmailings wiederum beliefert KMS halb­jährlich günstig mit neuen Daten, die er von Erfassungskräften aus Telefonbüchern abtippen lässt. Dass die Daten hochwertig sind, zeigt die Rücklaufquote, die bei sehr guten drei Prozent liegt.

Auch eine Kooperation mit dem Steinbeis-Institut in Stuttgart hat Steidel vereinbart. So erhält er Daten über Altersstrukturen und Einkommensverhältnisse. „Am Ende kommt es darauf an, die vielfältigen Daten unterschiedlicher Qualität mithilfe ausge­klügelter Algorithmen zu prüfen. Auf diese Weise bekomme ich einen aktuellen und brauchbaren Datenbestand“, erläutert Steidel. Um eine transparente Darstellung zu erhalten, entscheidet sich Steidel, die Daten auf einer geografischen Karte dar­zustellen. Daher baut EYE ON HEALTH auf Bing Maps auf.

Großes Augenmerk legt KMS auf den Da­tenschutz. Im Gesundheitssektor gelten scharfe gesetzliche Bestimmungen, die Hürden sind höher als in anderen Bran­chen. Daher trennt die Architektur von EYE ON HEALTH sauber zwischen Public und Private Cloud: Unkritische Daten kommen aus der öffentlichen Azure-Datenbank und mischen sich erst in der Anwendung des Krankenhauses mit den sensiblen, intern vorgehaltenen Daten. Im öffentlichen Be­reich von www.eye-on-health.com können Nutzer ohne Log-in auf die unkritischen Daten zugreifen; alle weiterführenden, schützenswerten Informationen hingegen sind rollenabhängig per Log-in gegen un­befugte Nutzung gesichert.

Technik im Überblick

Microsoft SQL Azure
Microsoft SQL Azure ist ein Cloud-ba­sierter relationaler Datenbankservice, der auf Microsoft SQL Server-Technologien aufbaut. SQL Azure wird hochverfügbar und skalierbar in Microsoft-Rechenzen­tren gehostet. Entwickler müssen keine Software installieren oder managen, aus diesem Grund entfällt die zeitaufwendi­ge Admi nis tration. SQL Azure unterstützt Trans act SQL (T-SQL), wie es auch in be­kannten relationalen Datenbankmodel­len zum Einsatz kommt.

Eine Ernte für viele Nutzer

EYE ON HEALTH hat mittlerweile einen ho­hen Reifegrad erreicht. Das eröffnet viel­fältige Einsatzszenarien. „Krankenhäuser etwa müssen oftmals ihre wirtschaftliche Situation plausibel darlegen, um Kredite für neue Geräte und Anlagen zu erhalten“, sagt Steidel. Üblicherweise wird dazu ein Qualitätsbericht erstellt, der die Leistun­gen mit denen der Mitbewerber im Um­kreis von 100 Kilometern vergleicht. „EYE ON HEALTH zeigt einer Klinik bereits nach drei, vier Mausklicks, welche Leistungen heute etwa bei Hüftoperationen angebo­ten werden, wo die Patienten herkommen und welche Potenziale die Einzugsgebiete bergen“, erläutert Steidel. Deckt man den Markt bereits zu 90 Prozent ab, ist Wachs­tum unwahrscheinlich. Liegt man bei zehn Prozent, eröffnen sich Chancen. „Solche Berichte zu erstellen hat oft Monate ge­dauert“, erinnert er sich. „Der Bericht aus EYE ON HEALTH braucht nur ausgedruckt werden. Dann kann er als Argumen tations­grundlage für Bankengespräche dienen oder an den Wirtschaftsprüfer gehen.“ Eine typische Aufgabe in Krankenhäusern lautet, die Einweisungen von Patienten zu optimieren. „Arztpraxen werden laufend eröffnet und geschlossen. Eine brauchbare Marktanalyse erfordert daher eine ständige Aktualisierung der Datenbestände, sagt Steidel. KMS garantiert, dass die Da­ten gepflegt werden.

Auch bei politischen Grundsatzentschei­dungen hilft EYE ON HEALTH. Es kann bei­spielsweise die Diabetesrate einzelner Städte darstellen. Das ermöglicht Struktur­analysen, die den Bedarf an medizinischer Grundversorgung einer Region prognosti­zieren. So lassen sich Fragen der Zumut­barkeit erörtern, welche Leistungen noch wohnortnah angeboten werden oder ob Patienten eine 50 Kilometer weite Anfahrt zugemutet werden kann.

Zukunft liegt im Geomarketing

Die neue Plattform soll künftig auch neue Formen der Transparenz in der Kranken­hausbranche eröffnen, insbesondere in Verbindung mit der geografischen Aufbe­reitung von Informationen. „Geomarketing gewinnt angesichts des hohen Wettbe­werbsdrucks im Krankenhaussektor enorm an Bedeutung und hilft uns vor allem bei strategischen Fragen“, bestätigt Dr. Philipp Morakis, Leiter des Geschäftsbereichs Medizinisches Leistungsgeschehen und Controlling im Städtischen Klinikum Karls­ruhe GmbH. „Beim Management von Ein­weisungen erweisen sich Geo-Informatio­nen ebenfalls als hilfreich.“

Darüber hinaus profitieren sowohl Patien­ten als auch Investoren. „Patienten können sich künftig genau informieren, in welcher Entfernung es welche Klinik mit welchem Serviceportfolio und welcher Mortalitäts­rate gibt“, erläutert Steidel. „Investoren wiederum erleichtert es eine solche An­wendung, das Marktumfeld zu analysieren sowie die Konkurrenzsituation bei geplan­ten neuen Angeboten zu prüfen.“

 

Unternehmensprofil

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Land: Deutschland
Branche: Gesundheitswesen
Mitarbeiter: 26
Anzahl der PCs: 56

Unternehmen
Die KMS Vertrieb und Services AG zählt zu den marktführenden Anbietern von Data-Warehouse-Lösungen für die Kran­kenhauswirtschaft. Das Unternehmen wurde 1996 gegründet, sein Sitz ist in Unterhaching bei München.

Ausgangssituation
Klinikübergreifende Marktinformationen sind Mangelware. Daher greifen Kran­kenhausmanager oft auf teuer einge­kaufte Daten zurück. Die IT-Dienstleister wiederum haben viel zu tun, die Data­Warehouse-Lösungen in den Kranken­häusern regelmäßig zu aktualisieren.

Lösung
KMS sammelt Daten aus vielen unter­schiedlichen Quellen und stellt sie auf der Cloud-Wissensplattform EYE ON HEALTH zur Verfügung, die auf Microsoft SQL Azure basiert.

Nutzen
Heute liegen die Daten zentral in der Cloud vor. Krankenhäuser erhalten so Zugriff auf branchenweit verfügbare, re­gelmäßig aktualisierte Daten. Die Basis­dienste sind kostenlos, erst detaillierte Abfragen sind kostenpflichtig.

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