Cloud-only? Microsoft versteckt Office 2013-Installer, alle Wege führen zu Office 365 Home Premium

294528-microsoft-office-365-and-office-2013[1]Als Microsoft am Montag die neue Office 2013-Suite vorstellte (hier meine Bilder aus San Francisco), gab es zunächst mehr Fragen als Antworten: Heißt die Suite tatsächlich Office 2013, warum rückte Steve Ballmer das Thema Office 365 derart stark in den Vordergrund und gibt es überhaupt noch eine klassische lokale Installationsvariante? Klar ist inzwischen, dass Microsoft mit überraschenden Vertriebs- und Deployment-Optionen an den Markt gehen wird.

Die stake Betonung von Office 365 ergibt bei näherer Betrachtung durchaus Sinn, denn die Redmonder positionieren Office inzwischen als eingebettete Komponente inmitten vielfältiger Cloud-Angebote. Anfänglich kursierte sogar die Nachricht, dass  die Office 2013 Customer Preview gar nicht als klassisches, lokales Installationspaket angeboten wird, sondern ausschließlich als über Office 365 “gestreamte” Anwendung. Zumindest diese Befürchtung ist inzwischen widerlegt:

(Versteckter) Download des Installers von Office 2013 Professional Plus

Die klassische Komplettsuite steht tatsächlich als Office 2013 Professional Plus zum Download bereit (englisch, 639 MB). Allerdings ist hier eine Anmeldung per Live-Konto erforderlich. Derzeit gibt es noch keine deutsche Fassung, neben der englischen existieren noch eine spanische und eine chinesische. Interessant dabei ist, dass Microsoft diese Installationsvariante in seinen Marketingdokumenten praktisch verschweigt.

Office = Office 365 Home Premium

Office 365 Anmeldung für den Office 2013-TestEbenfalls interessant ist die neue Definition des Office-Begriffs: Microsoft verwendet ihn nun offenbar nicht mehr für die altbekannte Suite der Office-Anwendungen, sondern meint damit Office 365 – oder genauer das brandneue Basisangebot Office 365 Home Premium. Dieses Neupositionierung der Marke ist für mich eine der größten Überraschungen der 2013er-Vorstellung. Gleichzeitig weiten die Redmonder damit die Zielgruppe von Office 365 enorm aus – vom bisher reinen Business-Cloud-Angebot auf den breiten Massenmarkt. Microsoft macht mit dieser Expansionsstrategie schon in der jetzigen Testphase Ernst, indem es alle Office-2013-Interessenten auf eine zentrale Office-365-Anmeldungsseite lotst: Egal auf welcher der vielen Office-Seiten man auf “Jetzt testen” klickt – man landet immer beim Office-365-Login (siehe Bild). Freilich ist die Hemmschwelle zum Mitmachen recht niedrig, denn für den Einstieg reicht eine Anmeldung über das Live-Konto aus. Die meisten Customer-Preview-Interessenten dürften daher diese Schranke schnell passieren.

App-Streaming anstelle der Installation

Wer Office 2013 über diesen Weg der Office-365-Anmeldung testet, der sollte einen wichtigen technischen Umstand kennen: Office Anwendungen werden hierbei nicht heruntergeladen und installiert wie noch beim alten Office 365, sondern per App-Streaming bereitgestellt. Hinter der Streaming-Technologie steckt App-V, eine Komponente aus der Systemmanagement-Suite System Center, die eine installationsfreie Softwareverteilung ermöglicht. Anwendungen werden mit App-V nicht mehr auf jedem Client lokal installiert, sondern erst bei Bedarf vom Microsoft-Server abgerufen und in kleinen Paketen auf den lokalen Rechner “gestreamt”. Da beim Streaming im Kern die originalen Anwendungs-Bits übertragen werden –nur in anderer Darreichungsform-, laufen gestreamte Applikationen am Client wie gehabt im Speicher und verhalten sich daher exakt wie jede lokal installierte App.

Unscheinbar: Gestreamte Anwendungen, herkömmliches StartmenüParallelbetrieb alter und neuer Office-Versionen: Neben dem Vorteil der Ad-hoc-Verteilung glänzt die Streaming-Technik noch mit einer weiteren Eigenschaft: Die aufgerufenen Anwendungen laufen nämlich in einem abgeschotteten Container (Sandbox), so dass die Ressourcen des lokalen PCs wie etwa die Registrierungsdatenbank nicht angetastet werden. Auf diese Weise wird auch ein paralleler Betrieb von alten und neuen Office-Anwendungen möglich, so dass Outlook 2013 beispielsweise problemlos neben einem vorhandenen Outlook 2010 gestartet werden kann. Der normale Anwender merkt übrigens nichts von dieser Technik, das Startmenü eines gestreamten Office 2013 sieht genauso aus wie das einer lokalen Installation (siehe Bild).

Umfangreiche Ausstattung: Office 365 Home Premium

Office 365 Home Premium wird folgende Komponenten enthalten:

Office 2013: Über den Administrationsbereich kann der Nutzer die Office 2013 Customer Preview installieren. Enthalten sind Word, PowerPoint, Excel, Outlook, OneNote, Access  und Publisher. (Die oben erwähnte Professional-Version enthält auch noch Lync)

Skype: Viel wurde bereits spekuliert darüber, wie Microsoft Skype integrieren wird. Hier ist nun die Antwort: Als neues Serviceangebot innerhalb von Office 365. Dabei werden eine Integration der Outlook-Kontakte sowie Präsenzinformationen geboten. (In der Public Preview fehlt Skype noch).

Installation auf 5 PCs: Office 365 erlaubt die Installation der Office-Anwendungen auf 5 PCs oder auch Macs (eine 2013er Version für Mac ist noch nicht verfügbar, bis dahin ist es Office 2011).

Roaming Profile: Office 365 speichert wichtige Einstellungen des persönlichen Benutzerprofils zentral und synchronisiert diese mit allen Clients, auf denen Office 365 installiert ist – ähnlich wie Windows 8 das ermöglicht. Zu den synchronisierten Daten zählen die zuletzt genutzten Dokumente, Vorlagen, Benuterwörterbuch und ähnliches.

Office on Demand: Wer auf einem fremden PC arbeitet, kann über das Office-365-Portal sein Word oder Powerpoint 2013 per Streaming vom Microsoft-Server aus starten und damit arbeiten.

Skydrive Cloud-Speicher: Bestandteil eines Office 365 Home Premium-Abos sind auch 20 GB zusätzlicher Skydrive-Speicher.

Monatliches Skype-Guthaben: Damit Skype für Telefonie genutzt werden kann, stellt Microsoft auch noch monatlich 60 Minuten Gesprächsguthaben zur Verfügung.

Noch hat Microsoft keine Preise genannt, aber es ist zu erwarten, dass Benutzer hier zu einem vermutlich günstigen Preis ein recht üppiges Software-und-Services-Paket erhalten.

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