Office 2013 “überall”: Mit Office on Demand, Streaming und Click2Run macht Microsoft die Suite mobil

Office 2013 Click-to -RunEine der größten Überraschungen von Office 2013 ist dessen simple Bereitstellung ohne (echte) lokale Installation. Wie ich bereits nach der Vorstellung der Customer Preview am 16. Juli anmerkte, bietet Microsoft die aktuelle Testversion bevorzugt als gestreamte Anwendung an. Das erspart zunächst einmal allen Testern einen dicker Installer-Download sowie potenzielle Unverträglichkeiten mit existierenden (Office-)Anwendungen. Doch Microsoft hat mit dieser neuen Technik noch viel Größeres vor: Streaming soll ab Office 2013 nämlich die bevorzugten Deployment-Methode werden, um in Verbindung mit Services wie Office 365 Client-Anwendungen über das Web zu verteilen. Bis zum Marktstart Office 2013 ist sogar noch ein weiterer, radikaler Schritt geplant: Microsofts erklärtes Ziel ist ein “Office on Demand”, das die Vorteile von Browser-Anwendungen mit der denen der Rich-Client-Anwendungen vereint. Office-Abonnenten sollen von überall aus per Browser Zugriff auf Word, Excel und Co. für Ad-hoc-Sitzungen erhalten – sogar an abgeriegelten PCs. Hier die weiteren Details und die technischen Hintergründe zum Microsoft-Coup:

Office Installation im Wandel der Zeit - von Office 97 bis Office 2010Geschichtlich betrachtet war Microsoft Office immer ein dicker Installations-Brummer. Office 97 beispielsweise brachte es als letzte Disketten-Version auf 45 Installationsmedien, und auch die darauf folgenden handlicheren CD-ROM- und DVD-Sets umfassten enorme Datenmengen. Obwohl Microsoft immer mit einem funktionalen Mehrwert der Client-Office-Anwendungen wuchern konnte, wichen in den Letzten Jahren immer mehr Anwender auf browserbasierende Office-Lösungen wie Google Docs aus – zunehmend auch größere Unternehmen. Hauptgründe dafür sind die installationsfreie Verfügbarkeit über das Web und (für Unternehmen) teilweise günstigere Abo-Modelle. Microsoft tüftelt daher schon länger an einer Lösung, wie man das für den Konzernumsatz enorm wichtige Office weiter attraktiv halten und an die geänderten Nutzungsgewohnheiten anpassen könnte. Ein erster Schritt in Richtung On-Demand erfolgte daher vor zwei Jahren mit den Office Web Apps. Doch funktional klaffen hier weiterhin große Lücken, weshalb für jede halbwegs professionelle Bearbeitung immer auch eine lokal installierte Office-Anwendung bereit stehen sollte.

Click-to-Run – Ausweg aus dem Fat-Client-Dilemma

Click-to-Run 1.0 mit Office 2010Auf der Suche nach einem Ausweg aus diesem “Fat-Client-Dilemma” kam Microsoft schließlich auf die Click-to-Run-Idee, wie Paul C. Barr zum Thema auf dem Office-Next-Blog erklärt. Dabei handelt es sich um einen Ableger von App-V, jener Systems-Center-Komponente für Application-Streaming und -Virtualisierung, die Microsoft vor Jahren mit der Übernahme vom Streaming-Erfinder Softricity erwarb. Interessant ist zunächst, dass es bereits für Office 2010 eine Click-to-Run-Installation gibt. Die von Microsoft entwickelten Version C2R 1.0 wurde jedoch nur in wenigen Ländern für bestimmte Endkundenversionen angeboten – vermutlich, um dessen Akzeptanz und Marktreife zu testen.

Bei C2R 1.0 lag das Augenmerkt auf drei Charakteristika: Benutzer sollten schneller eine gewünschte Office-Anwendung zum Laufen bekommen, und sie sollten dabei ohne Updaterei immer im aktuellsten Release-Stand arbeiten können. Wichtig war als dritter Punkt auch noch ein “Nebeneffekt” der Streaming-Technik: Click-to-Run virtualisiert Anwendungen, indem diese in einer Sandbox im lokalen System laufen. Dabei werden weder Dateisystem noch Registrierdatenbank mit eigenen Daten überschrieben, so dass zwei Versionen einer Anwendung auf einem PC parallel laufen können – bei Office bis heute eine Besonderheit.

C2R 2.0 ermöglicht Office-Installation aus dem Web

Für Office 2013 hat Microsoft nun Click-to-Run 2.0 deutlich ausgebaut und in die aktuelle Office 365 Home Premium Preview integriert. Die Benutzer merken davon in der Regel nichts, wer sich derzeit die Preview-Anwendungen installiert, initiiert im Hintergrund eine Click-to-Run-Installation. Der Symbolwert dieser neuen Art der Softwarebereitstellung ist nicht zu unterschätzen: Office kommt nicht mehr über einen umständlichen Installationsprozess zum Anwender, sondern wird über eine Website installiert – ohne lästige Produktschlüssel-Eingabe und Aktivierung. Im Zuge dessen führt Microsoft auch ganz neue Lizenzformen ein. Bei Home Premium stehen dem Benutzer beispielsweise insgesamt fünf Lizenzen für seine verschiedenen PCs zur Verfügung. Außerdem ist geplant, Office zukünftig auch von anderen Microsoft-Sites und über Partner-Websites anzubieten.

Die Installation einer Office-2013-Anwendungen mittels Click-to-Run läuft in folgenden Schritten ab:

  • _2012-09-11_15-33-20Die Office 365-Installationsseite bietet verschiedene Installationsoptionen an. Neben der Sprachversion kann auch zwischen 32- und 64-Bit gewählt werden, wobei Microsoft von 64-Bit nach wie vor abrät. In der aktuellen Testphase stehen nur Englisch und Spanisch zur Auswahl
  • Mit dem Klick auf “Install” startete der Download einer kleinen ausführbaren Installationsdatei, des “Bootstrapper”, mit rund 500KB. Der Download-Dialog des Browsers bietet wahlweise “Ausführen” oder “Speichern” an, wobei Microsoft ersteres empfiehlt. Die Datei enthält übrigens individuelle Lizenzinformationen und funktioniert daher nur zeitlich begrenzt.
  • Nach dessen Aufruf erscheint der Click-to-Run-Splash-Screen. Im Hintergrund werden hierbei zunächst die zum Starten der Anwendung notwendigen Dateien heruntergeladen (sprich “gestreamt”). Microsoft nennt das “First Run Experience”, weil die Anwendung bereits nach kurzer Zeit startet – ohne vollendetem Download des Gesamtpakets.
  • Office 2013 Click-to-Run - Bereit zum ersten Start der AnwendungenNach einem Willkommensbildschirm folgt ein weiteres Info-Fenster, das über einen Balken den Download-Status der gesamten Office-Installation anzeigt. Zu diesem Zeitpunkt können bereits alle Office-Anwendungen genutzt werden. Die weiteren, noch ausstehenden Komponenten werden nach einer von Microsoft festgelegten Priorität im Hintergrund nachgeladen. Ruft der Benutzer dabei eine noch nicht verfügbare Funktion auf, erscheint ein Office-Office 2013 - Click-to -Run Splash Screen beim StartScreen mit der Information “xx% Configuring”. Dieser Schritt hängt von der verfügbaren Internet-Bandbreite ab: Bei schnellen Verbindungen unterbleibt er möglicherweise komplett, bei langsamen kann er öfter erscheinen. In dieser Phase fehlen noch einige Datenintensive Office-Funktionen wie etwa die meisten Schriftarten oder “Drucken: Senden an OneNote”.

Streaming als neue Schlüsseltechnik

Microsoft wertet mit dieser Strategie das Application Streaming zu einer Schlüsseltechnik auf, während sie bisher nur für bestimmte Szenarien in der Softwareverteilung von Unternehmen oder auf Terminal-Servern eine Rolle spielte. Mit Click-to-Run 2.0 wurde um einige Besonderheiten wie den Zugriff über das Internet erweitert. Folgende Kernfunktionen sind enthalten:

  • Side-by-Side-Unterstützung: Galt es früher als nahezu unmöglich, mehrere Versionen eines Microsoft-Programms parallel zu betreiben, preisen die Redmonder diese Möglichkeit nun als großen Vorzug von Click-to-Run 2.0 an. O-Ton-Microsoft: “Erstmals können Sie nun zwei Versionen von Outlook parallel betreiben.”
  • Office 2013 Click-to-Run - Reparatur oder DeinstallationReparatur: Im Falle eines auftauchenden Fehlers oder eines Programmkonflikts kann ein C2R 2.0-Programm über den Installer repariert werden. Quick-Repair erneuert nur Programmsymbole und Dateizuordnungen, Full-Repair erneuert die komplette Installation.
  • Deinstallieren: Auch hier klopft sich Microsoft auf die eigenen Schultern, weil nun eine Deinstallation binnen Sekunden anstatt wie früher in Minuten vollzogen werden kann.
  • Auto-Update: Bei jedem Start prüft die Installation den Versionsstand, gibt es ein Update auf dem Server, wird diese Version im Hintergrund heruntergeladen. Dank der serverzentrierten Architektur entfällt damit die ständige Verteilung von Updates, wobei ein differentielles Verfahren dafür sorgt, dass nur die veränderten Bits übertragen werden müssen.
    Möglicher Nachteil dabei: Benötigt der Anwender eine bestimmte Version oder einen Patch-Stand, kann er unter Umständen mit einer gestreamten Anwendung nicht mehr weiterarbeiten.
  • Click-to-Run für Unternehmen: Microsoft hat in C2R auch etliche Administrationsfunktionen integriert, so dass die neue Verteilungstechnik auch in Unternehmen eingesetzt werden kann. Einige weitere Details finden sich dazu im Technet-Artikel “Customization overview for Click-to-Run”.

Das Office-2013-Ziel: Echtes “Office on Demand”

Office 2013 - Anwendungen sind nun über das Web erhältlichMit Click-to-Run zeigt Microsoft erstmals eine überzeugende Alternative zur bisher unvermeidlichen Fat-Client-Installation in Form einer flexibleren, Web-kompatiblen Bereitstellung. Noch fehlen im aktuellen Stand der Office 2013 Customer Preview jedoch echte On-Demand-Fähigkeiten, denn schließlich benötigt C2R 2.0 immer noch ordentliche Bandbreite und führt eine Art Light-Installation durch. Doch die Entwickler sind bereits daran, die Lücke zum echten “Office on Demand” zu schließen, wie Barr schreibt. Seiner Darstellung zufolge sollen es mit der Verfügbarkeit der finalen Fassung möglich sein, Word 2013, Excel, PowerPoint, Access, Publisher, Visio und Project von beliebigen Websites aus zu starten. Office 2013-Abonnenten werden dann die Möglichkeit haben, von überall aus binnen Sekunden ihre Office-Anwendungen zu starten – sogar an fremden oder abgeriegelten Firmen-Computern ohne Installationsrechte. Die eigens dafür entwickelte Zusatzlösung heißt “User-Mode-Streaming”. Microsoft ist mit dieser Technik endlich in der Lage, die volle Funktionsfülle der Office-Suite auch in Umgebungen anbieten können, in denen bisher aufgrund von Lizenz- oder Installationsbeschränkungen nur Web-Apps zur Verfügung standen.

Office on Demand wird sich durch folgende Charakteristika auszeichnen:

  • Es wird allen Office-2013-Abonnenten zur Verfügung stehen
  • Nur die Teile der Anwendung, die gerade benötigt werden, werden heruntergeladen. Die Anwendungen laufen als echte Client-Apps im lokalen Arbeitsspeicher und starten deshalb je nach Internetverbindung innerhalb von Sekunden.
  • Office hinterlässt aus Geschwindigkeits-Gründen Cache-Dateien, allerdings kann die Anwendung nicht von einer lokalen Verknüpfung aus gestartet werden. Der Start erfolgt immer über eine Website.
  • Für die Nutzung ist immer eine Online-Verbindung erforderlich, und der Nutzer muss zur Sicherstellung der Nutzungsrechte in Office-Online eingeloggt sein.

Noch ist die Entwicklung von Office on Demand laut Barr nicht abgeschlossen. Microsoft scheint aber mit Click-to-Run eine Lösung für ein altes, drängendes Problem gefunden zu haben, die über Office 2013 hinaus im Softwaremarkt Wellen schlagen dürfte.

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