Sharepoint 2013 Feature-Fokus “Office Web Apps Server”: Neue Serverrolle und mehr ‘echtes Office’ (Teil 1)

Office Web Apps BereitstellungsformenMicrosoft treibt den Umbau seiner Office-Plattform in Richtung Web eifrig voran. Während die vor zwei Jahren eingeführten Browserversionen von Word, Excel, Powerpoint und Onenote  noch einen zaghaften ersten Schritt darstellten, deutet der Office Web Apps Server 2013 seine künftig zentrale Bedeutung als Herzstück der Office-Welt bereits an. Kunden mit internen Servern müssen sich allerdings umstellen, denn der Office Web Apps Server wandert aus Sharepoint in eine eigenständige Serverrolle und verlangt dafür eine dedizierte Maschine. Neben der Architektur hat sich aber auch bei den Apps einiges getan.

Office Web Apps für alle Geräteklassen -  Fortschritte gegenüber Version 2010Office Web Apps werden in drei Varianten angeboten: Endanwender bekommen Word und Co. über den kostenlosen Dienst Skydrive , Cloud-Kunden kennen es als Bestandteil von Office 365 und On-Premises-Kunden als Installationspaket. In der aktuellen Microsoft-Sprache heißt das “Consumer Cloud”, “Public Cloud” und “Private Cloud”. Wie der verantwortliche Program Manager Nick Simons in seinem Vortrag auf der Sharepoint Confernce erklärte, basieren alle drei Varianten auf dem selben Code. So kann der Hersteller jetzt schneller und einfacher neue Funktionen und Verbesserungen für die Cloud wie für Kundenserver ausrollen.

Vorteile des neuen, dedizierten Modells

Simons räumte ein, dass die neue Serverrolle viele Kunden überraschen dürfte und Administratoren auf den ersten Blick mehr Komplexität beschert. Microsoft habe sich aber trotzdem für diesen Schritt entschieden, weil es folgende Vorteile bringt:

  1. Einfacheres Setup
  2. Upgrade und Wartung sind komplett von Sharepoint getrennt
  3. Mehrere Sharepoint-Farmen werden von einer einzigen Office-Web-App-Farm versorgt
  4. Neben Sharepoint nutzen nun auch weitere Produkte wie Exchange, Lync und Drittanbieter-Produkte Office Web Apps
  5. Bereitstellung neuer Funktionen und und Verbesserungen für Online- wie On-Premises-Kunden gleichzeitig

Office Web Apps 2013 gegenüber 2010

Bisher sah eine Office-Web-Apps-Umgebung schematisch betrachtet so aus:

Das Bereitstellungsmodell mit Office 2010Office Web Apps mussten bisher auf jeder Serverfarm und jeder Maschine separat installiert werden, die Skalierung war an jene von Sharepoint gebunden. Updates müssen natürlich auf jedem Computer einzelnen eingespielt werden.

So ändert sich die Bereitstellung mit dem neuen Office Web Apps Server:

Das neue Bereitstellungsmodell des Office Webs Apps Server 2013Der Unterschied ist klar: Zunächst einmal bedient nun eine einzige Office Web Apps Farm beliebig viele Sharepoint 2013-Farmen. Hinzu kommt die Anbindung anderer Serverprodukte und Ressourcen jenseits von Sharepoint an das Web-Office. So erhalten nun beispielsweise auch Lync 2013 und Exchange 2013  die Viewer- und Editierfunktionen aus dem zentralen System. Funktionsumfang Office Web Apps 2013 gegenüber 2010Lync verfügte dafür bisher ein veraltetes ActiveX-Control von Office 2007, Exchange nutzte einen Dokumentenbetrachter des Drittanbieters Stellant.

Doch die Reichweite des neuen OWA-Servers geht deutlich darüber hinaus, da er nun auch beliebige externe Dokumente über Netzwerkfreigaben und URLs integriert. Jede per URL adressierbare Datei kann auf diese Weise über den Office Web Apps Server geöffnet oder editiert werden. Microsoft hat schon konkrete Vorstellungen, wo sich der OWA Server künftig überall einsetzen lässt – zum Beispiel im ECM-Umfeld mit Systeme wie OpenText, Documentum oder IBM Filenet.

Touch-Unterstützung und mobile Geräte

Touch für Tablets - Vergleich mit und ohneAuch aus Endbenutzersicht präsentieren sich die Office Web Apps mit interessanten neuen Funktionen. So adressiert Microsoft ganz offensichtlich den Tablet- und Mobile-Boom und spendierte unter anderem Touch-Funktionen. Der Unterschied zwischen Touch- und Mausbedienung wird im Bild links deutlich. Office Web Apps 2013 - optimiert für mobile Browser. Hier am Beispiel Excel

In neuer Aufmachung präsentieren sich die Web-Pendants von Word, Excel, Powerpoint und OneNote auch auf Mobilgeräten. Die Darstellung nähert sich deutlich den “Desktop-Originalen” an, wie am Beispiel Excel Web App zu sehen ist.

Blick auf das neue Integrationsmodell

Wie funktioniert nun im Hintergrund die Integration von Office Web Apps in einen Host wie Sharepoint? Zum besseren Verständnis zunächst eine Begriffsdefinition:

  • Office Web Apps Server: stellt den Hosts die OWA-Funktionalität zur Verfügung
  • Host: Nutzt die vom OWA Server bereitgestellten Services, um Dateien im Browser anzuzeigen. Sharepoint, Lync und Exchange sind beispielsweise Hosts
  • Client: Das ist ein Browser oder vergleichbare Software

Ein Schlüsselelement ist dabei die neue öffentliche Programmierschnittstelle (API) für die Kommunikation mit Hosts. Sie heißt WOPI (Web application Open Platform Interface) und wird vom OWA Server verwendet, um Dateien zu übertragen und zu verarbeiten. Der OWA Server ist eine WOPI-App, die Hosts müssen WOPI-Anfragen von WOPI-Apps verstehen.

Funktionsweise von OWA 2013 mit WOPI

Funktionsweise von Office Web Apps 2013Um die Funktionsweise besser zu verstehen, hat Simons ein Beispielszenario vorgestellt, bei dem ein Benutzer die Datei beispiel.docx liest, die auf dem Sharepoint-Server liegt (das Bild rechts zeigt den Datenfluss im Überblick):

  1. Der Benutzer navigiert zur Dokumentenbibliothek mit der Datei beispiel.docx.
  2. Er klickt den Dateinamen in der Dokumentenbibliothek.
  3. Sharepoint führt den Browser auf eine spezielle Seite, die weiß, wie Anfragen an den OWA-Server (und andere WOPI-Apps) zu behandeln sind. Die Sharepoint-Seite heißt WOPIframe.aspx.
  4. WOPIframe.aspx enthält einen iframe, den es auf eine Seite auf dem OWA-Server weiterleitet. Diese Seite heißt WordViewer.aspx. Der entsprechende HTTP-Request enthält einige wichtige Informationen:
    • Die URL, die der OWA-Server zum Aufrufen der beispiel.docx nutzt – den WOPI-Endpunkt
    • Den Namen der Datei. URL und Dateiname werden kombiniert zur “WOPI-Quelle”
    • Eine Zeichenkette, die Office Web Apps dem WOPI-Endpunkt übergeben und die Toms Credentials repräsentieren – der Zugriffs-Token.
  5. Der OWA-Server verwendet die WOPI-Quelle und den Zugriffs-Token, um auf beispiel.docx auf Sharepoint zuzugreifen
  6. Die WordViewer.aspx-Seite zeigt beispiel.docx im iFrame auf WOPIFrame.aspx

Artikelübersicht:

  1. Sharepoint 2013 Feature-Fokus “Office Web App Server”: Neue Serverrolle und mehr ‘echtes Office’ (Teil 1)
  2. Sharepoint 2013 Feature-Fokus “Office Web App Server”: Systemvoraussetzungen, Konfiguration und Links (Teil 2)

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