Besser wieder raus aus der Cloud? Steigende Lizenzgebühren für Services stehen in der Kritik

Zum 1. April hat Microsoft neuerlich die Lizenzgebühren für seine Dynamics-Produkte aus der Cloud erhöht, und zwar um elf Prozent. Bei vielen Anwendern laufen daher die Kosten aus dem Ruder, warnt der Gartner-Analyst John-David Lovelock im The Register:

„Langfristige Outsourcing-Verträge, Managed-Service-Verträge, Cloud-Ausgaben für Infrastructure-as-a-Service, Platform-as-a-Service oder Software-as-a-Service. Wenn Sie einmal in diesem Cloud-Zug sitzen, können Sie die Ausgaben nicht mehr kürzen.“

Daher müssen IT-Verantwortliche die Lizenzen für ihre Software genau unter die Lupe nehmen. Gibt es kostengünstigere Alternativen? Wir sprechen von Alternativen zum Lizenzmodell, nicht zum Hersteller, weil Wettbewerber wie die SAP und andere ebenfalls Preiserhöhungen durchgesetzt haben.

Wenn Sie einmal in diesem Cloud-Zug sitzen, können Sie die Ausgaben nicht mehr kürzen.

John-David Lovelock, GARTNER

Andreas E. Thyen, Präsident des Verwaltungsrats der LizenzDirekt, rät zunächst zu einer Kosten-Nutzung-Betrachtung, an deren Ende seiner Erfahrung nach nur der Umstieg auf On-Premises-Lizenzen übrigbleibt: „Unternehmen sollten sich wieder auf ihre eigenen Interessen besinnen und genau abwägen, ob und wo ein Cloud- oder Abo-Modell sinnvoll ist. In vielen Fällen kann es besser und rentabler sein, auf Perpetual On-Premises-Lizenzen zu setzen.“

Er verweist nicht ganz uneigennützig – wer ist das schon? – auf die Möglichkeiten von Gebrauchtsoftware, mit der sein Unternehmen handelt. Dort sind Alternativen zum Enterprise Ressource Planing (ERP)-System rar gesät, vorzugsweise wechseln Microsoft Office-Pakete, aber auch der SQL Server, Visio und der Windows Server in die zweite Hand. „Die diesjährigen extensiven Preiserhöhungen bei Abo- und Cloud-Modellen gepaart mit nicht enden wollenden Datenschutzbedenken sollten endlich wachrütteln. Wir sind optimistisch, dass die Trendumkehr von Abo hin zu innovativen hybriden Modellen wie Bring-Your-Own-License im Interesse der Kunden weiter Fahrt aufnimmt und letztlich gelingen wird“, so Thyen.

Den Anwendern winken deutliche Kostenvorteile, wenn sie die Cloud verlassen. Tatsächlich ist das der Hauptgrund für den Einsatz, wie der Gebrauchtsoftware-Anbieters usedSoft bereits 2020 herausgefunden hat: 94 Prozent der für eine Studie befragten Anwender nannten den niedrigeren Preis als Grund für den Einsatz.

Für fast die Hälfte gab die Abneigung gegen die Abo- und Cloud-Modelle der Hersteller den Ausschlag. Sie nutzen nun den Gebrauchtmarkt als Alternative. Etwa ein Drittel erklärten zudem, dass die von ihnen benötigte Software nur und ausschließlich auf dem Gebrauchtmarkt zu bekommen sei. Dort gibt es nämlich auch ältere Versionen, die von den Herstellern häufig nicht mehr angeboten werden.

„Meist ist ein gesunder Mix aus bedarfsgerechten integrativen Cloud Services und Perpetual-Softwarelizenzen der beste Weg, um die heute geforderte Dynamik zu erzielen und gleichzeitig Investitionen zu sichern“, so Thyen. „Gekaufte Lizenzen kann man wahlweise in eigenen oder Cloud-Infrastrukturen einsetzen und bei Bedarf auch wieder gebraucht verkaufen oder günstig nacherwerben.“

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