Das Problem mit Automatisierungs-Tools – oder: Rationalisiert man sich seinen eigenen Job weg?

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Automatisierung ist aktuell eines der Top-Themen im Bereich des digitalen Arbeitsplatzes. Doch was passiert eigentlich, wenn man als Mitarbeiter selbst aktiv wird und Aufgaben und Prozesse  mit Tools wie Flow/Power Automate oder Nintex automatisiert? Möglicherweise macht man damit ja seinen Arbeitsplatz überflüssig und muss um seine Anstellung bangen. Welche Konsequenzen das alles haben kann, schildert CMSwire anhand eines kuriosen Beispielfalls, der im StackExchange-Netzwerk für großes Aufsehen sorgte.

Arbeit für einen Monat, runteroptimiert auf 10 Minuten

Dort berichtete der Nutzer „Etherable“ von seinen Erlebnissen als Programmierer in einem sehr traditionellen Unternehmen. Sein Job bestand darin, sehr komplexe und zeitaufwändige Dateneingaben auf einer veralteten Plattform vorzunehmen. Da der gesamte Prozess sehr ineffizient war, suchte er nach Optimierungsmöglichkeiten und schaffte es am Ende, die Arbeit eines ganzen Monats auf zehn Minuten verkürzen.

Da er nun Angst hatte, deswegen seinen Job zu verlieren, verheimlichte er seinem Arbeitgeber diesen Fortschritt . Er ließ also die Aufgabe weiterhin automatisiert durchlaufen, fügte jedoch bewusst Fehler ein, um den Anschein zu erwecken, dass weiter ein Mitarbeiter damit beschäftigt wäre.

Automatisierung und Ethik

Dieses Beispiel spiegelt die Anfangsfrage wider. Viele Arbeitnehmer machen sich Gedanken über eine Vereinfachung und Automatisierung der eigenen Arbeit. Gleichzeitig jedoch birgt das immer das Risiko, dass man damit seinen Job verlieren könnte. Ist das Verhalten von Etherable also verständlich, oder ist es unmoralisch?

Derartige ethischen Fragen tauchen im Zusammenhang mit der Automatisierung immer wieder auf. Dabei ist der Kern des Problems gar nicht die Automatisierung an sich, sondern vielmehr sind es die Unternehmen und die Menschen dahinter, die durch ihren Umgang mit diesem Prozess die Diskussionen auslösen.

Problem Arbeitsklima und Vertrauen

Etherables Verhalten zeigt, dass er kein großes Vertrauen in sein Unternehmen hat. Würden ein gutes Arbeitsklima und ein gutes Verhältnis zu den Vorgesetzen herrschen, hätte er seine Innovation vermutlich publik gemacht und eventuell sogar Aussicht auf einen Karrieresprung gehabt.

Dass wir es mit keinem Einzelfall zu tun haben, lässt sich auch aus der großen Verbreitung von Schatten-IT ableiten. Mitarbeiter suchen auf diese Weise nach Lösungen für Probleme oder Verbesserungen der Arbeitsumgebung, die sie auf dem offiziellen Weg über die zuständigen Bereiche wie die IT nicht bekommen.

Unternehmen sollten Strukturen und Prozesse hinterfragen

Um solche Entwicklungen zu vermeiden, sollten Unternehmen ihre Strukturen und Organisationen hinterfragen. Haben die Mitarbeiter Vertrauen in ihren Arbeitgeber? Ist das Unternehmen offen für Innovationen und Fortschritt?  Setzt sich das Unternehmen auch selbst aktiv dafür ein?

Anstatt abzuwarten, bis die Mitarbeiter selbst die Initiative ergreifen auf Schatten-IT setzen, sollten Arbeitgeber selbst aktiv werden. Zum Beispiel, indem man Talente wie Etherable fördert. Und ein allgemeines Vertrauen schafft, dass Erfolge durch Automatisierung honoriert werden und die Mitarbeiter keine negativen Auswirkungen zu befürchten haben.

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