Die Microsoft-Aussichten 2019: Was in diesem Jahr aus Redmond zu erwarten ist

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2018 war für Microsoft ein recht bewegtes Jahr. Für Aufsehen sorgte zum Beispiel am Jahresende der Sprung an der Börse zum weltweit wertvollsten Unternehmen, vorbei an Apple. Auch Neuigkeiten und Ankündigungen gab es viele, zum Beispiel auf der Ignite 2018 im September. Doch richtige Knaller wie im Jahr zuvor Teams blieben aus. Aus Kundensicht muss das nicht schlecht sein, denn es mehrte sich die Kritik, dass Microsoft zu schnell zu viele Neuerungen auf den Markt werfe. Trotzdem bleibt die Taktrate in Redmond hoch. Für das anlaufende Jahr 2019 zeichnen sich bereits viele interessante Entwicklungen in den verschiedensten Bereichen ab. Hier die Prognosen für die neue Saison:

Gerüchte und Ankündigungen für 2019

Noch unbestätigt: Surface Centaurus

Im Mobilfunkbereich treten Technologien wie 5G oder embeded SIM Karten (eSIM) immer stärker in den Vordergrund und dürften wohl auch in der Microsoft-Welt Einzug halten. Ein mögliches Szenario wäre das Surface Centaurus, ein Projekt, an dem Microsoft mit Intel schon länger arbeiten soll. Die Gerüchteküche brodelt hier schon länger, es soll sich um ein Dual-Screen Surface-Gerät handeln, das 2019 mit Windows Core OS herauskommen könnte.

Bei Windows Core OS handelt es sich um eine neue Variante von Windows 10, die Microsoft speziell für dieses Dual-Screen-Gerät entwickelt hat. Das Windows Core OS nutzt die Vorteile der Dual-Screen-Konfiguration, kann aber auch an andere Ausrichtungen angepasst werden.

Microsoft 365 for Consumer

Auch um Microsoft 365 for Consumer ranken sich Gerüchte. Offiziell gibt es dazu keine näheren Angaben, jedoch lieferte eine Stellenausschreibung auf der Microsoft-Website den Hinweis, dass ein Produktmanager für die „M365 Consumer Subscription“ gesucht werde. In der Stellenanzeige wurde darauf hingewiesen, dass das Team hinter Microsoft 365 Consumer die Windows-Plattform, das Microsoft Surface Geräteportfolio, Office 365 Verbraucherpläne, Skype, Cortana, die Bing-Suche sowie das Microsoft Education-Team managen wird.

Neue Erweiterungen für Microsoft 365

Um das Kundeninteresse an der Infrastruktur-Komplettlösung Microsoft 365 zu steigern, baut Microsoft im Bereich Sicherheits- und Compliance-Lösungen an. Ab dem 1. Februar 2019 wird es zwei neue Microsoft 365 Pakete mit entsprechenden Zusätzen geben:

Identity & Threat Protection: Dieses neue Paket bündelt die Security-Funktionen rund um Office 365, Windows 10 und EMS. Darin enthalten sind Microsoft Threat Protection (Azure Advanced Threat Protection – ATP), Windows Defender ATP und Office 365 ATP sowie Microsoft Cloud App Security und Azure Active Directory.

Information Protection & Compliance: In diesem Paket sind Office 365 Advanced Compliance und Azure Information Protection enthalten.

Die Kombination all dieser Funktionen ist nach wie vor Teil der Microsoft 365 E5-Suite. Kunden haben nun aber auch die Wahl, selektiv nur die Funktionen zu lizensieren, die sie konkret benötigen.

Windows Server 2019 mit neuem Admin-Center

Die Office-Server-Familie ist in der neuen Version 2019 schon seit einigen Monaten verfügbar. Das selbe gilt für den Windows Server 2019. Dieser bringt nun erstmals das unter dem Codenamen „Project Honolulu“ bekannte neue Windows Admin Center mit. Es handelt sich hierbei um ein lokal bereitgestelltes, Browser-basierendes Management-Toolset, mit dem ein Windows-Server verwaltet werden kann.

Was gibt’s Neues bei den Azure Services?

Serverless Computing, Serverless PaaS und Container

Um das Einrichten von Servern, Storage oder Netzwerken muss man sich als Entwickler und IT-Pro bei Serverless Computing/Serverless PaaS kaum noch kümmern. Kosten fallen auch nur dann an, wenn tatsächlich Leistungen konsumiert werden. Die eigentliche Infrastruktur bei diesem Cloud-Modell bleibt dem Kunden weitestgehend verborgen. Sie wird je nach Bedarf flexibel genutzt und in der Regel sehr genau und detailliert abgerechnet. Verpackt als Container lassen sich die Anwendungen dabei flexibel skalieren und verteilen. Bei Microsoft heißt das Konzept für serverlose Architekturen Azure Kubernetes Service, und es dürfte 2019 an Bedeutung gewinnen.

IoT, Edge Computing und Blockchain

Edge Computing steht für einen neuen Ansatz der Dezentralisierung von IT-Ressourcen. Während sich in den letzten Jahren alles in Richtung Cloud bewegte, soll nun die Verarbeitung von Informationen wieder näher am „Ort des Geschehens“ erfolgen. Das bringt unter anderem kürzere Latenzzeiten und geringerer Netzwerk-Traffic, vor allem im WAN Bereich. Bisher gibt es aber noch wenige praktische Einsatzbeispiele.

Auch das Hypethema Blockchain krankt an noch wenigen bis gar keinen praktischen Einsatzbeispielen. Nimmt man das Gebiet der Kryptowährungen mal aus, ist die Technologie zwar spannend, doch tatsächlich monetarisierbare Lösungen sind noch Mangelware.

Im Bereich Internet of Things (IoT) schießen die Anwendungsfälle zwar wie Pilze aus dem Boden, doch diese Technologie hat mit anderen Herausforderungen zu kämpfen. Der Hype sieht sich nämlich mit vielerlei technischen, kulturellen, sicherheitsrelevanten sowie datenschützerischen Herausforderungen konfrontiert. Solange diese Aspekte im Rahmen einer IoT-Strategie nicht ausreichend adressiert werden, wird sich das Thema weiter schwertun.

Top-Thema Security

Eine Wunderwaffe für Cyber-Sicherheit werden wir auch 2019 nicht erleben. Trotzdem hat sich im Microsoft-Bereich viel getan, beispielsweise mit den angekündigten Neuerungen von der Ignite zum Thema Azure AD:

  • Read-Only-Modus für SharePoint und Exchange basierend auf Anmeldebedingungen wie beispielsweise vertrauenswürdige Geräte oder vertrauenswürdiger IP-Bereich
  • Dashboard zum Identitätsschutz, um riskante Benutzer zu erkennen und direkt Maßnahmen zu ergreifen
  • Microsoft Authenticator für Azure AD mit passwortloser Authentifizierung
  • Azure AD Unterstützung für alle OATH-zertifizierten Hardware-Token
  • Azure B2B Google Federation
  • Identitätsmanagement: Zeitlich begrenzte Zugriffsrechte, Gastkonten automatisch löschen
  • Dezentrale Identitäten: https://Microsoft.com/ownyouridentity

Ziel ist dabei, die tägliche Arbeit durch Sicherheitsfunktionen nicht zu erschweren, sondern eher zu erleichtern.

Unser Office 365-Orakel für 2019

Microsoft Teams wird weiter an Fahrt gewinnen

Beim Marktstart von Teams 2017 wirkte das Tool Teams noch klobig und wenig intuitiv. Weder konnte es ein Ersatz für Skype for Business sein, noch dem Platzhirschen Slack das Wasser reichen. Doch in der Zwischenzeit hat sich viel getan. Nicht zuletzt dank des Feedbacks bei User Voice wurde Microsoft Teams schnell besser.

Wir dürfen gespannt sein auf die neuen Funktionen 2019. Geht es nach User Voice, dann steht hier ganz oben der Eintrag Support for Private Channels mit über 15.000 Stimmen.

In Sachen Microsoft 365  weist die Roadmap zur Zeit 16 Features im Status „Entwicklung“, 7 im Status „Rollout“ und 74 im Status „Freigegeben“ für Teams aus. Anfang Januar stellte Emma Williams (Corporate Vice President of Modern Workplace Verticals bei Microsoft) vor, wie „Firstline Workers“ – also Mitarbeiter an Arbeitsplätzen ohne PC – zukünftig über die Teams-App besser eingebunden werden sollen. Dazu gehören eine verbesserte mobile Ansicht sowie die Integration des Schichtplanungstools „Microsoft Shifts“. Hier erkennt man nun die ersten Auswirkungen der Ankündigung, StaffHub zukünftig in Teams zu integrieren.

SharePoint: Wechsel auf Modern Sites weiterhin mit Hürden

Die neuen Hub-Sites wurden im Mai 2018 zur allgemeinen Verfügbarkeit freigegeben. Damit wird die Einführung von modernen SharePoint Sites und Communication Sites erheblich erleichtert.

Als nach wie vor schwierig kann sich der Wechsel von klassischen SharePoint Sites zu modernen Sites erweisen – ob On-Premises oder Online. Denn auf den modernen Websites fehlen einige Funktionen, die wir von klassischen Websites kennen. Darüber hinaus fehlen in SharePoint Online einige Funktionen, die wir aus SharePoint On-Premises kennen. Welche Vor- und Nachteile es gibt und welche Funktionen in welcher Variante zur Verfügung stehen beschreibt dieser Artikel.

Langsame Ablösung der alten SharePoint-Tools

2019 wird die schrittweise Ablösung der altbekannten Werkzeuge SharePoint Designer, SharePoint Designer Workflow und InfoPath weiter gehen. Mit dem Ausbau der Office 365-Tools wie Flow, PowerApps oder auch PowerBI stehen inzwischen Alterativen zur Verfügung.

Anfang 2018 herrschte große Verwirrung um das Tool Microsoft Stream und Office 365 Video. Es gab weder viel Druck, um Kunden nach Stream zu portieren, noch einen klaren Migrationspfad. Stream ist seitdem stark gewachsen. Funktionen wie „Sprache zu Text“, automatisch generierten Untertiteln und Gesichtserkennung sind nur einige Beispiele. Inzwischen gibt es auch einen gut dokumentierten Migrationspfad von Office 365 Video hin zu Microsoft Stream: https://docs.microsoft.com/en-us/stream/migrate-from-office-365

Die weiteren Neuerungen

Office 64-Bit: Microsoft hatte im Office 365 Admin Center bekannt gegeben, dass der Rollout von Office Pro Plus nun standardmäßig in der 64-Bit-Version erfolgen wird. Aufpassen müssen hier vor allem Unternehmen, die noch Office Add-ins nutzen, da diese nur im 32-Bit-Office funktionieren.

„Altlasten“ abgeschaltet: Auch unter dem Stichwort „Service Anpassungen“ kommen einige Änderungen. So werden bei Kunden mit halbjährlichen Updatezyklen werden ab Anfang 2019 die Dienste Flash, Shockwave und Silverlight in Office 2016, Office 2013 und Office 2010 geblockt. Ebenso zeichnet sich ein Ende der Triple Data Encryption (3DES) in Office 365 ab. Kunden sollen auf das Transport Layer Security (TLS) 1.2 Protokoll oder höher umsteigen.

Support-Ende: Für OneDrive for Business wird der Support für macOS X 10.10 und 10.11 eingestellt. Bei Skype for Business wurde das Ende des Supports für Drittanbieter-PSTN Audio Conferencing (ACP) angekündigt. Details dazu siehe in diesem Artikel.

Office Pro Plus ohne Terminalserver: Mit der Einführung von Windows Server 2019 stellt Microsoft den Support für Office Pro Plus in einer Windows 2019 Terminalserver-Infrastruktur ein. Alternativ kann Office Pro Plus unter der angekündigten Windows VDI Lösung betrieben werden. Windows VDI stellt den Windows Desktop direkt aus Azure zur Verfügung

Alternativ kann die Windows 10 Enterprise Multi User (MUI) Edition genutzt werden. Diese wird ebenfalls aus Azure zur Verfügung gestellt werden.

Persönlicher Ausblick auf 2019

Microsoft Teams wird mehr und mehr das Zentrum der täglichen Arbeit und ein Großteil der Kommunikation wird sich künftig dort abspielen. Weitere Top Themen sind 2019:

  • Bots
  • die neue Microsoft Suche mit Bing for Business und dem Microsoft Graphen
  • die neuen Sicherheits- und Compliance-Funktionen sowie das Thema Echtzeitübersetzung

Kunden und Anwender fragen immer weniger warum Office 365 eingeführt wird oder was das überhaupt ist – inzwischen fragen sie wie sie es nutzen können und wann es im Unternehmen zur Verfügung stehen wird. Trotzdem rate ich jedem davon ab, ein Feature oder einen Service nur einzuführen, weil er gerade Mainstream ist. Nutzen Sie die Office 365-Suite und ihre vielen Funktionen da wo es für Sie unternehmerisch Sinn macht.

Mal ganz abgesehen vom Hype um Microsoft Teams und Office 365 gibt es natürlich auch ganz pragmatische und kurzfristige Aspekte, die Microsoft adressieren muss. Allen voran sind das die Themen:

  • Stabilisieren der Windows 10-Update-Thematik
  • Vereinfachung und Konsolidierung der Lizensierung
  • Verbesserung des Supports für Geschäftskunden im KMU-Segment
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Nicki Borell

Nicki Borell ist Microsoft Regional Director, MVP für Office Apps & Services, Mitgründer von Experts Inside, Gründer des Labels „Xperts at Work“ und Partner der atwork GmbH. Als Team setzen wir erfolgreich IT- und Strategieprojekte im gehobenen Mittelstand und Großkundensegment um. Profitieren Sie von unserer Expertise, unserer Kompetenz und unserem Fachwissen, das wir zusammen mit starken Partnern in jedes unserer Projekte mit einbringen. Kontakt: nb@expertsinside.com | nb@atwork-it.com
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