Ignite-Interview mit Seth Patton, Microsoft, über Hintergründe und Ziele des neuen Project Cortex

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Auf der Ignite 2019 hatte ich in der letzten Woche auch die Gelegenheit, mit Seth Patton zu sprechen. Er ist als General Manager Product Marketing Microsoft 365 einer der Verantwortlichen für das Project Cortex. Im Gespräch erläutert er Ziele, Einsatzmöglichkeiten und bestehenden Herausforderungen.

Herr Patton, Project Cortex, oder auch Knowledge Network, zählt zu den wichtigsten Neuerungen der Ignite. Worum genau geht es dabei, haben wir es mit einer neuen Generation des Wissensmanagements zu tun?

Cortex hat mit dem klassischen Wissensmanagement nur noch wenig zu tun. Es geht um deutlich mehr, um Lernen, Weiterbildung und Wissen im Rahmen eines Wissensnetzwerks. Zu den Besonderheiten zählt, dass Inhalte, Personen, Konversationen und Interaktionen in einen Zusammenhang gebracht werden. Der Zugang dazu erfolgt über bekannte Tools wie Office oder Teams, und die Leuten können sich damit während ihrer Arbeit informieren und weiterbilden. Darum habe ich es auch als Wikipedia für Unternehmen bezeichnet. Aus Unternehmen können damit lernenden Organisationen werden.

Von den grundlegenden Ansätzen erinnert es auch an die Office 365-App Delve. Was ist daran anders?

 Viele Unternehmen stehen ja heute vor dem Problem knapper werdender oder fehlender Fachkräfte. Cortex hilft dabei, Leute schneller zu schulen und ihnen den Wissenserwerb zu erleichtern.

Es gibt tatsächlich eine Gemeinsamkeit, denn beide nutzen die Signale aus dem Microsoft Graph. Cortex macht aber viel mehr als nur relevante Dokumente zu finden und sie darzustellen. Es analysiert mit KI die Inhalte aus Geschäftsprozessen, erzeugt über den Metadatenservice eine Taxonomie, generiert daraus die Themen, kategorisiert sie und visualisiert deren Beziehungen zueinander.

Welche Techniken und Konzepte stecken hinter dem Wissensnetzwerk?

Künstliche Intelligenz spielt eine wichtige Rolle, und geht es um das Verwalten und Analysieren großer Mengen an Inhalten. Hier kommt uns zugute, dass aufgrund der zunehmenden Migration in die Cloud immer mehr Content überall schnell verfügbar ist. Man sieht das auch an der Verbreitung von SharePoint mit inzwischen 100 Millionen Nutzer. Mir ist keine SaaS-Anwendung in ähnlicher Größe bekannt. Neu ist aber auch das Konzept Micro-Learning. Viele Unternehmen stehen ja heute vor dem Problem knapper werdender oder fehlender Fachkräfte. Cortex hilft dabei, Leute schneller zu schulen und ihnen den Wissenserwerb zu erleichtern.

Wie fügt sich das Wissensnetzwerk in bestehende Umgebungen ein, und wie hilft es Unternehmen in ihren Geschäftsprozessen?

Wir sind als Microsoft in der vorteilhaften Position, dass die Leute mit unseren Anwendungen täglich arbeiten. Der Frage des einfachen  Zugangs ist also geklärt. Darüber hinaus verfügen wir über Konnektoren zu den verschiedensten externen Systemen.  Das hilft auch bei der Automatisierung von Geschäftsprozessen. Gerade bei den Dokumenten-basierenden Prozesse wie Angebote oder Debitorenbuchhaltung läuft heute noch vieles manuell. Über das Wissensnetzwerk bekommen Unternehmen auch den Zugriff auf Dokumente aus den verschiedensten Repositories, und darüber lassen sich viele Prozesse automatisieren.

Das setzt aber voraus, dass auch alle, oder zumindest der Großteil der Inhalte aus den unterschiedlichsten Unternehmenssystemen integriert wird. Wie wollen Sie das sicherstellen?

Wichtig sind selbstverständlich auch Daten aus externen Geschäftsanwendungen wie SAP oder ServiceNow.

Es gibt verschiedene Wege, um Inhalte in das Wissensnetzwerk hineinzubringen. Einer ist die Migration von Inhalten aus externen Systemen in Richtung Microsoft 365, aus allen möglichen Datenquellen wie File-Server oder Cloud-Speicher wie Dropbox. Aus diesem Grund haben wir kürzlich das Migrations-Tool Mover übernommen, um den Kunden solche einfachen Importmöglichkeiten anbieten zu können.

Wichtig sind aber selbstverständlich auch Daten aus externen Geschäftsanwendungen wie SAP oder ServiceNow. Um diese für Cortex zugänglich zu machen, kommen die Konnektoren von Microsoft Search zum Einsatz. Wir extrahieren darüber die Metadaten, um sie in die Themen einzubinden. Der eigentliche Content bleibt dabei extern, ähnlich, wie wir das mit der hybriden Suche bereits realisiert haben. Bei den Konnektoren gibt es aber noch einiges zu tun, speziell in Richtung Geschäftsanwendungen, um hier eine wirklich durchgängige Lösung zu realisieren.

Haben Sie ein Beispiel, wie das alles in der Praxis umgesetzt werden kann, und welchen konkreten Nutzen Unternehmen davon haben?

Bei den Konnektoren gibt es noch einiges zu tun, speziell in Richtung Geschäftsanwendungen, um hier eine wirklich durchgängige Lösung zu realisieren.

Wir haben das große britische Ingenieurbüro Mott MacDonald als Pilotanwender gewonnen. Deren Ziel war es, geschäftlich über einen Zeitraum von fünf Jahren stark zu expandieren, ohne umfangreich personell zu wachsen. Möglich ist sowas nur, wenn man die Informationsflüsse perfektioniert, damit sich die Mitarbeiter auf den neusten Stand bringen können. Bei tausend ständig laufenden Projekten bedeutet das ein permanentes Einarbeiten, Lernen, Wissen aufbauen und dieses Wissen über die Projekte hinweg weitergeben, ohne viel Zeit zu vergeuden. Im Ergebnis konnte Mott MacDonald mit dem Wissensnetzwerk seine Prozesse effizienter gestalten und seine Mitarbeiter kompetenter machen.

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