Interview mit Office 365-Chef Jeff Teper: „Nicht alle Kunden wollen in die Cloud, wir sehen das und unterstützen es“

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Auf der European SharePoint & Office 365 Conference 2018 (#espc18) diese Woche in Kopenhagen hatte ich die Gelegenheit, mit Jeff Teper, dem Chef von Microsofts Office 365-Geschäftsbereich und Erfinder von SharePoint, zu sprechen. Dabei nahm er klar Stellung zum weiterhin vieldiskutierten Thema Cloud versus On-Premises und erläuterte Microsofts zukünftige Strategie.

SP360: Herr Teper, vor allem im deutschsprachigen Raum bleiben weiterhin sehr viele Unternehmen dem klassischen SharePoint-Server treu. Auf der Ignite-Konferenz im September haben Sie dieser Zielgruppe sehr deutlich Ihre Unterstützung ausgesprochen und weitere On-Premises-Versionen nach 2019 angekündigt. Trotzdem sagen Sie auch ganz klar, dass die Musik inzwischen vor allem in der Cloud spielt. Welche Strategie verfolgen Sie hier?

Wir sagen ganz deutlich, dass wir unsere Cloud-Plattform laufend weiterentwickeln und hier deutlich mehr Funktionen bereitstellen können.

Jeff Teper: SharePoint 2019 hat enorm an Funktionen dazugewonnen und ist in den zentralen Bereichen auf der Höhe von SharePoint Online. Das heißt für unsere Kunden, dass sie mit dem aktuellen On-Premises-Server von vielen Innovationen profitieren. Wir sagen aber auch ganz deutlich, dass wir unsere Cloud-Plattform laufend weiterentwickeln und hier deutlich mehr Funktionen bereitstellen können, angefangen bei Teams, dem Microsoft Graph, Yammer oder PowerApps. All diese Optionen gibt es prinzipbedingt nur aus der Cloud, sie stehen in lokalen Umgebungen nicht zur Verfügung.

SP360: Vor vier Jahren sah es fast so aus, als wolle Microsoft den Umschwung zur Cloud-Company mit der Brechstange erzwingen. Das hat Ihnen auch viel Kritik eingebracht. Was hat sich seitdem geändert?

 Ich bin Realist und sehe, dass die IT-Bereitstellung über die Cloud nicht den tatsächlichen Anforderungen und Wünschen aller Kunden entspricht.

JT: Grundsätzlich muss ich bekennen, dass mir der Ansatz von Firmen wie Google, Salesforce oder AWS  gefällt, alle Services aus der Cloud anzubieten. Aber ich bin hier auch Realist und sehe, dass diese Form der IT-Bereitstellung nicht den tatsächlichen Anforderungen und Wünschen aller Kunden entspricht. Hier befinden wir uns als Microsoft zum Glück in der komfortablen Position, dass wir den Kunden das anbieten können, was sie benötigen – ob aus der Cloud oder On-Premises. Deshalb werden wir diese Strategie auf jeden Fall weiterverfolgen. Auch wenn wir ganz klar sagen, dass das Gesamtpaket in der Cloud umfassendere Funktionalität bietet. Am Ende zählt für uns aber die Entscheidung des Kunden.

SP360: Die Cloud-Skepsis war noch vor zwei Jahren sehr hoch, und sie ist auch weiterhin weit verbreitet, wie wir auch mit unserer SharePoint-Anwenderstudie zeigen konnten. Wie gehen Sie vor, um die Kunden von Ihren Cloud-Angeboten zu überzeugen?

JT: Deutschland ist einer unserer größten Märkte, und wir sprechen hier mit vielen führenden und international erfolgreichen Unternehmen. Wenn man solche Kunden für die Cloud gewinnen möchte, muss man sie davon überzeugen, dass man bei Sicherheit und Compliance die höchsten Anforderungen erfüllen kann. Das ist oft ein langwieriger Prozess, wobei uns die allgemeine steigende Akzeptanz der Cloud in den letzten Jahren auch in Deutschland sehr hilft. Auf einer gewissen Stufe fällt dann heute sehr oft die Entscheidung pro Cloud. Die Zahl derer, die zumindest eine teilweise Cloud-Nutzung planen, ist inzwischen sehr hoch. Aber zugegebenermaßen kann man das nicht generalisieren.

SP360: Google ist im Bereich Produktivitäts-Tools ein großer Cloud-Wettbewerber, zumindest was ihre Größe und ihr Potenzial betrifft. Sehen Sie Google derzeit als Gefahr, und wie schätzen Sie deren Fähigkeiten ein?

JT: Wenn man die Breite und Tiefe der Funktionalität unserer geschäftlichen IT-Lösungen betrachtet, sehe ich Google nicht annähernd als Wettbewerber auf Augenhöhe. Sie machen einen guten Job in Einzelbereichen wie Drive oder Docs, dort sehen wir sie auch durchaus als ernstzunehmenden Konkurrenten. Aber nehmen Sie beispielsweise Enterprise Content Management mit SharePoint, Anwender-Produktivität oder Sicherheit, auf diesen Gebieten können wir viel umfangreichere Lösungen anbieten.

SP360:Welche Rolle spielen die sehr unterschiedlichen Geschäftsmodelle, ist das für die Kunden von Bedeutung und wie wirkt sich das auf die Qualität der Lösungen aus?

Unser größte Unterschied zu Google ist wohl, dass wir unser Geschäftsmodell vollständig auf den Kundenerfolg ausgerichtet haben und uns daran messen.

JT: Unser größter Unterschied zu Google ist wohl, dass wir unser Geschäftsmodell vollständig auf den Kundenerfolg ausgerichtet haben und uns daran messen. Wenn ein deutscher Maschinenbauer feststellt, dass unsere Anwendungen seine Bedürfnisse optimal adressieren, dann wird er seinen Lizenzvertrag weiter unterschreiben. Falls wir nicht gut genug sind, sucht er sich einen anderen Hersteller. Egal, ob es um Office 365 oder Auzure geht, unser Geschäft hängt immer davon ab, ob Kunden einen Mehrwert darin finden. Daran müssen wir uns orientieren und unsere Entwicklung ausrichten. Googles Geschäftsmodell ist mehr auf Anzeigen und E-Commerce ausgerichtet. Sie sind in der Rolle des Mittlers zwischen Anbieter und Käufer. Unser Erfolg ist hingegen ganz eng an den Erfolg unserer Kunden gekoppelt. Wenn sie Erfolg haben, haben auch wir Erfolg, und das spornt uns an.

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