Kommentar: Nach Microsofts ‘Azure Stack’-Premiere – wann kommt ‚Office 365 Stack‘ On-Premises zu den Kunden?

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Microsoft packt die Cloud ein ins RechenzentrumMicrosoft hat gestern in München die „Cloud-Hardware“ Azure Stack vorgestellt – eine spannende Neuheit, die auch einen Strategieschwenk markieren dürfte. Mit Azure Stack portieren die Redmonder nämlich erstmals ihre große Cloud-Plattform Azure als On-Premises-Produkt in die Rechenzentren der Kunden – und zwar eins-zu-eins, ohne funktionale Einschränkung. Dieser Schritt ist spannend und könnte auch abstrahlen auf andere Plattformen wie Office 365.

Nach ‘Cloud First’ jetzt ‘better together’?

Azure wurde 2009 als Cloud-Infrastuktur-Plattform vorgestellt und bildet das Fundament für Microsofts Cloud-first-Strategie. Die zentrale Botschaft lautete, dass sich hohes Innovationstempo und Komplexität nur mehr in der Cloud realisieren ließe. Mit Azure Stack wird nun der Gegenbeweis geliefert, nämlich, dass sich dieselbe Technik genauso gut parallel auch auf Kundenservern betreiben lässt. Ohne Einschränkungen, und in jeder gewünschten Form des hybriden Betriebs. Dieser Vorgang ist symbolträchtig und durchaus als Kehrtwende einzustufen.

Hinzu kommt, dass – anders als bei der ersten, unvollendeten Azure-Stack-Implementierung – jetzt alle wichtigen Microsoft-Hardware-Partner mit von der Partie sind. Dell, HP, Lenovo, Intel und Cisco haben sich allesamt mit bestellfertigen Rack-Konfigurationen präsentiert. Die meinen es offensichtlich alle Ernst mit dem Angebot. Natürlich liegen die Motive der Hardwarefraktion auf der Hand: Mit dem Cloud-Trend blutet das Server-Geschäft aus, es müssen neue Produktideen für Hardware her.

Der Druck kommt aus dem Markt

Doch müsste Microsoft als Cloud- und Softwarehersteller ja nicht darauf aufspringen – es sei denn, der Markt lässt generell ähnliche Tendenzen erahnen. Tatsächlich tauchen immer mehr Anbieter zum Beispiel im Bereich Cloud-Management mit Appliances auf, die den etablierten Cloud-Diensten zur Konkurrenz erwachsen könnten. Nimmt man dazu noch die Stimmung im Markt dazu, die nach wie vor keinen flächendeckenden Migrationswillen in die Cloud erkennen lässt, so will da früher oder später jeder Anbieter gewappnet sein.

‘Office 365 Stack’ – machbar und erwünscht

Was bedeutet Azure Stack nun für die anderen Microsoft-Clouds – allen voran Office 365? Auch wenn dazu noch keine Aussagen zu hören waren, liegen die Parallelen klar auf der Hand:

  • Weiter Zurückhaltung im Markt: Von einer flächendeckenden Abwanderung in die Cloud ist Microsoft bei SharePoint, Exchange und Skype noch weit entfernt, wie deutsche, aber auch internationale Marktstudien zeigen.
  • Komplexität ist kein Hinderungsgrund: Die Portierung der Azure-Plattform in lokale Server zeigt, dass technisch mehr machbar ist, als bisher angenommen wurde. Ohne Kompromisse.

Noch befindet sich Office 365 in einer rasanten Wachstumsphase, Microsoft und seine Kunden profitieren gemeinsam technisch und wirtschaftlich von den Skaleneffekten. Außerdem punktet die Rundum-sorglos-Cloud-Plattform gegenüber den komplexen Office- und Collaboration-Servern, indem sie mehr Funktionalität bei weniger Infrastruktur- und Administrationsaufwand bietet. Doch was spricht dagegen, das Azure-Stack-Prinzip einfach zu kopieren und dieses fein abgestimmte Office-Server-Orchester als Image auf eine On-Premises-Appliance zu portieren? Da könnten glatt viele Unternehmen – vor allem im Cloud-skeptischen deutschsprachigen Raum – schwach werden. Noch sind wir nicht soweit, aber wer weiß, vielleicht denkt man in Redmond das Stack-Konzept schon weiter? Was ist Ihre Meinung dazu?

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