Microsoft macht die Deutschland-Cloud dicht und setzt auf eigene RZs

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Microsoft Cloud DeutschlandMicrosoft hat angekündigt, seine in Zusammenarbeit mit dem Datentreuhänder Telekom angebotene Deutschland Cloud einzustellen. Zukünftig wird es das gesamte Cloud-Portfolio mit Azure, Office 365 und Dynamics auch über eigene deutsche Rechenzentren geben.

Richtig in Fahrt gekommen ist Microsofts deutsche „Cloud-Insel“ nie. Eingeführt wurde der Service 2015 als Reaktion auf unvereinbare Anforderungen der Gesetzeslagen zwischen der EU und den USA. Außerdem herrschte zu diesem Zeitpunkt noch eine breite Cloud-Skepsis, für viele Unternehmen galt die Auslagerung von Daten an territorial entfernte Rechenzentren als tabu. Doch die Umsetzung des nationalen Services im Telekom-Rechenzentrum war von Anfang an mit gewissen Makeln behaftet. Funktional gibt es etliche Einschränkungen, es fehlen beispielsweise wichtige Office 365-Dienste wie Teams oder auch Yammer. Aufgrund der Abschottung vom globalen Office 365-Netz sind auch die Möglichkeiten des Datenaustauschs und der Freigabe begrenzt, etwa bei OneDrive. Für viele Microsoft-Kunden war auch der um rund 25 Prozent höhere Preis ein Hinderungsgrund, die deutsche Cloud zu nutzen (Siehe auch unser Kommentar).

Ab sofort keine neuen Kunden mehr

Nun hat Microsoft die Reißleine gezogen und verkündet, dass ab sofort keine neuen Kunden mehr in die Deutschland Cloud aufgenommen werden und auch keine neuen Dienste mehr integriert werden. Vorerst heißt das, dass Kunden nur die europäischen Rechenzentren wählen können. Laut der Ankündigung werden in den nächsten zwei Jahren über die neuen deutschen Rechenzentren in Frankfurt und Berlin eine Reihe von Diensten innerhalb Deutschlands aufgebaut, die dann vollständig in das Microsoft-Netz integriert sein werden. Der Fahrplan sieht vor, dass Azure im vierten Quartal 2019 verfügbar sein wird, Office 365 folgt im ersten Quartal 2020 sowie Dynamics 365 im Laufe des Jahres 2020.

Beim Datenschutz bleiben weiter Unklarheiten

Laut Microsoft werden alle Datenschutzanforderungen wie aktuell die der DSGVO erfüllt. Spannend bleibt weiterhin die Frage nach der Datenherausgabe an US-Behörden. Mit dem Cloud-Act haben die Amerikaner vor Kurzem eine neue rechtliche Basis geschaffen, die unter anderem den Rechtsstreit zwischen US-Ermittlern und Microsoft bezüglich einer E-Mail-Herausgabe beendete. Allerdings bleibt die gesamte Situation weiterhin etwas verworren, weil hierbei unter anderem noch zu treffende Vereinbarungen mit EU und einzelnen Staaten eine wichtige Rolle spielen. Kritische Stimmen warnen sogar vor nun erleichterten Zugriffsmöglichkeiten für US-Behörden. In jedem Fall sollte man die weitere Entwicklung im Auge behalten.

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