Microsoft macht Office 2019 in Werbespots madig: „Kauft lieber das bessere Office 365!“

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Das neue Office 2019 ist jetzt schon seit September auf dem Markt, und es glänzt mit einigen grundlegenden Überarbeitungen wie etwa der neuen Menüleiste. Doch die Marketing-Fanfaren, wie wir sie von früheren Produkteinführungen kannten, waren bisher eher verhalten zu hören. Seit gestern ist raus, warum: Microsoft möchte das klassische Softwarepaket nicht mehr so gerne verkaufen, und die Kunden lieber in Office 365-Abos locken.

„Schneller fertig mit dem Cloud-Office“

Den Beleg dafür liefert Microsoft in Form einer provokanten Werbekampagne „The Twins Challenge“ mit drei Videos. Die Szenarien sind jeweils identisch: Es treten Zwillingspaare auf, die mit Office eine Aufgabe lösen müssen – und zwar einer immer mit Office 2019, der andere mit dem Office 365-Pendant. Heraus kommt dabei, dass die Nutzer des Cloud-Office ihre Aufgaben viel schneller lösen können, weil sie intelligentere Funktionen zur Verfügung haben. Die Botschaft am Ende: „Kauft besser das bessere Office aus der Cloud.“

Es geht weniger um Features, als um neue Abo-Kunden

Dass man sei eigenes Produkt schlecht macht, wirkt auf den ersten Blick zwar etwas ungewöhnlich, doch so richtig überraschend kommt das angesichts von Microsofts Cloud-Strategie nicht. Nun könnte man nach Betrachtung der Videos kritisieren, dass die vorgeführten Vergleiche nicht ganz fair sind. Wir bekommen nämlich bei der Cloud-Version teilweise Funktionen gezeigt, die in der Zwischenzeit einfach neu hinzugekommen sind. So lässt sich eine objektive Überlegenheit durch die Cloud-Bereitstellung nicht wirklich argumentieren. Und ob solche Funktionen von der Masse der Anwender überhaupt genutzt werden, wäre auch nochmal zur hinterfragen.

Doch vermutlich dürfte das den meisten Kunden eh egal sei, weil für sie am Ende die Kosten-Nutzen-Abwägung entscheidend ist. Und hier kann Office 365 trotz jährlicher Zahlungsverpflichtung die deutlich bessere Option sein. Wer beispielsweise Office 365 Home kauft, zahlt dafür je nach Rabatt 50 bis 100 Euro Straßenpreis. Dafür erhält er eine Lizenz für fünf verschiedene Geräte, die darüberhinaus für bis zu fünf Personen im Haushalt gilt.

Schwindende On-Premises-Unterstützung – ein Signal für Unternehmenskunden?

Eine ernsthaftere Frage jenseits der Lizenzkalkulation dürften sich Unternehmen stellen, die auf Office als IT-Säule bauen: Wie ernst nimmt Microsoft noch die On-Premises-Produktschiene, und bekommt man unter diesen Umständen wirklich noch ein qualitativ zu 100 Prozent ausgereiftes Produkt? Kritisch äußerte sich dazu im Herbst der Vorstand des Microsoft-Anwenderverbands mbuf, Ralf Alkemade, in unserem Interview.

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