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Microsoft relativiert Cloud-Euphorie: “Keine Benachteiligung von Sharepoint On-premises gegenüber Online”

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sharepoint-largeMicrosoft hat in den letzten beiden Jahren seine Cloud-Services ganz massiv in den Vordergrund gedrängt, allen voran Office 365 und jüngst auch Yammer. Dabei erweckte der Herstelle teilweise den Eindruck, dass die klassischen, am eigenen Rechner oder im eigenen Rechenzentrum installierten Softwareprodukte ein Auslaufmodell seien. Unter den typischen Unternehmenskunden sorgte das bisher nicht gerade für Begeisterungsstürme, wie man in Gesprächen mit hiesigen Anwendern schnell herausfinden kann. Und zwar ganz ungeachtet der aktuellen Sicherheitsdebatte rund um die NSA-Enthüllungen. Dass diese offenkundige Diskrepanz zwischen Marketingfokus und Kundenbedürfnissen für ein wachsendes Rumoren speziell im boomenden Sharepoint-Markt sorgt, hat nun offenbar auch in Redmond Alarm ausgelöst. So zumindest erklärt sich ein neuer Artikel von Bill Baer aus dem Sharepoint-Marketing-Team auf dem Sharepoint-Blog, in dem er die Bedeutung klassisch bereitgestellter Software unterstreicht und gleichzeitig die uneingeschränkte Gleichstellung von Sharepoint On-premises und Online formuliert.

Der Tenor des Blogbeitrags klingt vordergründig recht unspektakulär. Und auch die Absichtserklärung kommt nicht überraschend, dass Microsoft seinen Kunden weiterhin Sharepoint und andere Produkte parallel in den drei Darreichungsformen On-premises, als Cloud-Service sowie in hybriden Mischformen bereitstellen wird – das war so schon oft genug zu hören. Allerdings erweckten verschiedene Äußerungen aus der Führungsetage und auch die Themensetzungen im Marketing zuletzt den Eindruck, dass man den klassischen Sharepoint Server (On-premises) doch nicht mehr so wichtig nimmt.

Microsoft erweckte den Eindruck der Cloud-Priorisierung

Auf Konferenzen beispielsweise hieß es regelmäßig “Go for cloud”, bei Social-Collaboration priorisiert der Anbieter ganz klar Yammer (trotz noch unklarer Integrationsstrategie), und bei Sharepoint-Demos und Präsentationen sieht man inzwischen oft Online-only-Funktionen aus Office 365 – und eher selten Beispiele aus Sharepoint On-premises. Außerdem preisen Microsoft-Vertreter in jüngster Zeit auffallend oft den innovativen Entwicklungsprozess bei Yammer, der kleine Neuerungen in kurzen Intervallen hervorbringt und gänzlich auf klassische, längerfristig angelegte Produktversionssprünge verzichtet. Zuletzt war zu hören, dass auch die Office-Entwicklung auf dieses Modell umgestellt werden soll, beziehungsweise bei den Office Web Apps bereits umgestellt wurde.

Baer versichert eine Gleichbehandlung von Online und On-Premises

Vor diesem Hintergrund ist folgender Absatz in Baers Artikel bemerkenswert:

“Wir sehen uns weiter verpflichtet, Support und Lösungen für unsere Kunden anzubieten, egal ob in der Cloud oder On-premises – in Form von kumulativen Updates, zukünftigen Service Packs und Content. Damit wollen wir sicherstellen, dass unabhängig davon, ob Sharepoint hinter der Firewall oder in der Cloud bereitgestellt wird, die Kunden weiterhin den Support erhalten, den sie benötigen, und dass so anhaltender Erfolg und Vorteile auf der Grundlage beständiger Innovation sichergestellt sind.”

Aus meiner Sicht spricht allein die Tatsache, dass Baer hier eine Gleichbehandlung von Sharepoint On-premises und in der Cloud so ausdrücklich garantiert, dafür, dass Microsoft Handlungsbedarf erkannt hat und einer weiteren Verunsicherung entgegentreten möchte. Wir dürfen gespannt sein, ob weitere Worte und Taten folgen werden.

Es würde mich interessieren, was Ihr/Sie über Microsofts Online/On-premises-Positionierung denkt?

Wolfgang Miedl

Wolfgang Miedl ist der Gründer von SharePoint360.de. Als Fachautor und Analyst ist er seit über 20 Jahren für große Unternehmen mit Arbeitsplatz- und Collaboration-Themen im Microsoft-Umfeld tätig. Gemeinsam mit Prof. Arno Hitzges von der HDM Stuttgart hat er die vielbeachtete SharePoint Anwenderstudie 2016 herausgebracht.
Andreas Essing
Andreas Essing

Ich sehe auch, dass in den letzten Jahren die Online Services in den Vordergrund gedrängt worden sind. Das führte dazu, dass die Produkte bzw. SW Stände in Bezug auf On_Premise Umgebungen (in der Regel komplexer und inhomgener) nicht sauber getestet wurden, Hier machte insbesondere Exchange 2013 in der Anfangszeit im Vergleich zu den Vorversionen einen schlechten Eindruck.

Bin gespannt, wie MS sich da in Zukunft entwickeln will.

LG Andreas

Marco Beyer
Marco Beyer
Ich sehe in der Cloud-Entwicklung eher Rückschritte. Die Stichworte liegen auf der Hand: rechtliche Grauzonen, Update- und Upgrade-Probleme, eingeschränkter Funktionsumfang und Inkompatibilität zu On-Premise-Lösungen. SharePoint-Online ist heute noch eine funktional sehr stark eingeschränkte Version des On-Premise-SharePoints – und da man (wie Sie schrieben) in letzter Zeit kaum wirklich relevante Neuerungen rund um dieses Produkt im On-Premise-Bereich erkennen kann, liegt es auf der Hand, dass viele Kunden eher zögerlich sind oder sogar mit Abneigung reagieren. Liegen denn wirklich verlässliche Daten vor, wie die Cloud angenommen wird, z.B. Office 365? Ich erfahre von unserem Kundenkreis eher breite Abneigung (Ihre Daten gibt es nur so lange, wie sie bezahlen, eine Überführung in On-Premise-Umgebungen ist aufwändig und damit teuer, man hat keinen persönlichen Ansprechpartner). Ich jedenfalls als IT-Dienstleister würde meinen Kunden keine Dienste anbieten, bei deren Fehlverhalten ich keinen Support leisten kann. Auch ich würde es sehr begrüßen, wenn Microsoft sich hier mal klar… Read more »
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