Microsoft Surface Neo-Vorschau: Der nächste große Windows-Hardware-Wurf?

Laptops, Tablets und Smartphones sind trotz vieler Experimente bis heute separate Gerätekategorien geblieben. Mit der Surface-Reihe ist es Microsoft immerhin gelungen, neue Konzepte zu etablieren und frühere Trennlinien etwas aufzulösen. Ob wir der Idee „ein Gerät für alle Aufgaben“ bald schon einen Schritt näher kommen, könnte sich im Herbst zeigen, wenn Microsoft sein Surface Neo mit dem neuen Windows 10X auf den Markt bringt.

Klapp-Mechanismus statt Biege-Display

Das Surface Neo sieht geschlossen wie ein großes metallenes Moleskine-Tagebuch aus. Im Inneren befinden sich zwei separate 9-Zoll-Displays, die sich aufgeklappt zu einem 13-Zoll-Arbeitsbereich vergrößern. Anders als bei einigen neuen Smartphone-Designs mit biegbaren Displays klafft beim Surface Neo jedoch eine sichtbare Lücke. Die ist beabsichtigt, denn die beiden Anzeigen können unabhängig und nebeneinander agieren.

Wie bei den meisten Surface-Geräten kommt ein aufwändig konstruiertes Scharnier zum Einsatz. Auch beim Thema Tastatur hat Microsoft wieder eine neuartige Lösung gefunden. Das Neo begnügt sich nicht mit einer unpraktische Bildschirmtastatur, stattdessen bekommt es ein Hardware-Keyboard, das sich an verschiedenen Stellen magnetisch fixieren lässt. Ist beispielsweise eine Laptop-typische Arbeitsweise gewünscht, liegt sie auf dem unteren Display, während im vorderen, nicht abgedeckten Bereich per Software ein Touchpad simuliert wird. Zum Verstauen „klebt“ man es einfach auf die Rückseite des Geräts. Wie für Surface typisch gibt es auch einen Stift, den Slim Pen, der identisch ist mit dem des neuen Surface Pro X.

Adaptive Software, Intel Prozessoren

Das Surface Neo lässt sich als Laptop, Buch oder Tablet benutzen. Microsoft verspricht eine einzigartige Bedienbarkeit, ohne aber bisher viel davon preiszugeben. Zumindest die favorisierte Mechanik der Apps ist bekannt. Wenn man das Gerät beispielsweise von hochkant auf quer dreht, fließen die Inhalte zurück. Bei den Microsoft-Office-Apps kommt der zweiten Anzeige eine eigenständige neue Funktion zu, beispielsweise in Form einer Folienliste in PowerPoint.

Microsoft verrät noch nicht viel über die die Innereien des Surface Neo, aber zumindest der Intel Lakefield-Antrieb ist bekannt. Dabei handelt es sich einen neuartigen Chip auf x86-Basis, der ähnlich stromsparend wie ARM-CPUs sein soll. Und weil für den Markterfolg einer neuen Geräteklasse eine kritische Masse notwendig ist, sind auch einige bekannte Hardwarepartner wie Dell, HP, Lenovo und Asus an Bord. Sie arbeiten derzeit alle an vergleichbaren Geräten mit zwei Bildschirmen oder faltbaren Geräten auf Basis von Windows 10X,  mit Gerätegrößen bei den Einzeldisplays von neun bis 12 Zoll.

Beispiele: Arbeitsmodi mit dem Surface Neo

  • Laptop: Es kann eine Software- oder Hardwaretastatur auf einem Display verwendet werden, wobei der typische Inhalt auf dem primären Display oben angezeigt wird.
  • Tragbares All-in-One-Gerät: Aufgeklappt in den Buchmodus und hingestellt lässt sich in Verbindung mit der abnehmbaren Tastatur arbeiten wir mit PC oder Laptop. Dieses Setup ähnelt der Verwendung eines Dual-Monitors am Schreibtisch.
  • Mobile Präsentation: Eine PowerPoint-Präsentation kann zum Beispiel auf der Außenseite des Geräts gezeigt werden, während gleichzeitig Notizen auf der Innenseite gelesen und mit einer Tastatur gesteuert werden können.
  • Notizen machen: Dabei erscheint eine Vollbild-App auf jeder Anzeige, oben kann ein Browser sein, der Videoinhalte anzeigt, auf der zweiten Anzeige kann sich eine Notiz-App öffnen. Parallel lassen sich mit einem Stift Notizen machen oder sogar die Hardwaretastatur anschließen.
  • Lesen: In diesem Modus wird das Gerät wie ein Buch mit einer oder zwei Händen verwendet, mit dem Stift lassen sich Notizen machen.

Neo-kompatible Apps als Schlüssel zum Erfolg?

Die bisher größte Herausforderung bei einem Konzept wie dem Surface Neo liegt in der Geräte-adäquaten Darstellung von Apps. Microsoft will sich hier nicht mit dem bloßen Skalieren begnügen und hat deshalb für das Neo einen neuartigen Lösungsansatz mit wechselnden und adaptiven App-Anzeigen entwickelt. Ob sich eine kritische Masse an Apps dafür finden lässt, hängt letztlich auch von der Unterstützung aus der App-Entwicklerszene ab. Damit beim Marktstart auch tatsächlich schon Neo-Apps verfügbar sind, können Entwickler seit kurzem mit dem Windows 10X-Emulator und entsprechenden Tools entsprechende Programme erstellen oder bestehende modifizieren und Testen.

Momentan ist das Projekt noch in der Entwicklungsphase, die ersten Geräte von OEMs und Microsoft sind für Herbst 2020 angekündigt.

Microsoft-Video einer Vorabversion des Neo:

guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments