Microsofts Cloud-Zwang drückt die Anwender: mbuf fordert bessere Migrationsunterstützung und flexiblere Lizenzoptionen

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Einer Karawane gleich zieht derzeit die gesamte IT-Industrie in Richtung Cloud. Für die Anwenderunternehmen schwinden damit auch Wahl- und Ausweichmöglichkeiten, so dass die Frage nach der richtigen Cloud-Strategie in den Vordergrund rückt. Mit Blick auf Microsoft fordert Ralph Alkemade, Vorstandsprecher des Microsoft Business User Forums (mbuf), dass die Redmonder mehr Verständnis für die Probleme der Unternehmenskunden entwickeln müssen sowie die Partner stärker ins Boot holen sollten, um sie für die Cloud-Migrationen fit zu machen.

Ralph Alkemade, mbuf-Vorstandssprecher: „Einerseits besänftigt Microsoft uns Anwender mit längeren Servicezeiten bei On-Premise-Produkten. Auf der anderen Seite setzen sie die Axt in sensiblen Bereichen an, wo sie Kunden in die Cloud zwingen.“

Geht es um die Umsetzung der ehrgeizigen Cloud-Ziele, scheint Microsoft nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche zu verfahren. Das jedenfalls ist die Wahrnehmung bei den im mbuf organisierten deutschen Unternehmen, wie Ralph Alkemade im Interview schildert: „Einerseits besänftigt Microsoft die Kunden, indem sie uns längere – aber auch kostenpflichtige – Servicezeiten bei strategischen On-Premise-Produkten wie den Windows-Servern versprechen. Auf der anderen Seite setzen sie die Axt in sensiblen Bereichen an, wo sie die Kunden mit wichtigen Infrastrukturkomponenten in die Cloud zwingen.“

Als aktuelles Beispiel nennt er die Verschlüsselungs-Software Bitlocker. Im kommenden Jahr läuft hier die Administrationsumgebung aus, als Ersatz etwa zum Hinterlegen von Wiederherstellungsschlüsseln gibt es nur noch die Cloud. Die alte On-Premise-Umgebung wird lediglich noch mit Sicherheitsupdates über den Extended Support versorgt.

Office 2019 mit deutlich kürzerer Laufzeit – plus satten Preissteigerungen

Microsoft verkürzt den Office-Support von zehn auf sieben Jahre. Wer einen längeren Lebenszyklus benötigt, sollte bis Dezember Lizenzen für Office 2016 beschaffen.

Drastische Einschränkungen kommen auf die Kunden auch beim anstehenden Wechsel auf Office 2019 zu, stellt der Verbandschef fest: „Microsoft hat bereits eine Verkürzung des Supportzeitraums von bisher 10 Jahren (fünf plus fünf) auf sieben (fünf plus zwei) verkündet. Unternehmen, die einen längeren Office-Lebenszyklus benötigen, sollten daher schnell noch bis Dezember Lizenzen für Office 2016 beschaffen, um sich noch die alten Laufzeiten zu sichern.“ Nebenbei steigen auch noch die Preise deutlich an. Klassische Lizenzen kosten jetzt um zehn Prozent mehr, wie man den soeben veröffentlichten Preislisten der Reseller entnehmen kann.

Der Kunde am Subskriptions-Haken – in ungünstiger Verhandlungsposition

Die Botschaft der Cloud-Ära: Wenn Du mal am Microsoft-Haken hängst, kommst Du nicht mehr aus.

Wer nun meint, durch eine Cloud-Migration endlich solchen Roadmap-Nadelstichen zu entkommen, der hat jedoch die Rechnung ohne Microsoft gemacht, so Alkemade: „Mit dem Wechsel zu den immergrünen Online-Diensten und Subskriptions-Preismodellen verschlechtert sich auch die Verhandlungsposition gegenüber dem Software-Riesen.“

Was das heißt, hat ein – gar nicht kleines – mbuf Mitgliedunternehmen erlebt. Vor drei Jahren ließ man sich als Early Adopter mit attraktiven Rabatten in ein großes Office 365 Engagement ködern. Als nun vor Kurzem die Vertragsverlängerung anstand, zeigte sich Microsoft zu keinerlei Konzessionen beim Preis bereit. Die Botschaft der Cloud-Ära scheint zu lauten: „Wenn Du mal am Microsoft-Haken hängst, kommst Du eh nicht mehr aus.“

mbuf fordert: „Microsoft muss die Partner fit machen“

Nachdem inzwischen allen Beteiligten klar ist, dass ein allmählicher Umstieg von Teilen oder auch der gesamten IT in die Cloud nicht mehr aufzuhalten ist, rückt ein anderer wichtiger Aspekt in den Vordergrund: Wie lassen sich große Cloud-Migrationen reibungslos umsetzen, welche Best-Practices gibt es, und wer sind die geeigneten Partner dafür? An dieser Stelle muss Microsoft aus Sicht des mbuf deutlich aktiver werden.

Microsoft muss die Partner noch besser vorbereiten, sie mit Blueprints versorgen und ihnen das richtige Knowhow beibringen.

Alkemade fordert, dass Microsoft die Partner noch besser vorbereiten muss, sie mit Blueprints versorgt und ihnen das richtige Knowhow beibringt. Bei Null muss man damit noch nicht einmal anfangen, denn es existieren im Dynamics-Umfeld bereits viele gute Ansätze für eine funktionierende Zusammenarbeit. Genauso gibt es aber auch dort noch viele Partner, die den Weg so noch nicht mitgehen (können).

Gleichzeitig sollten über Fast-Track-Programme oder beispielsweise auch mbuf-Initiativen die Anwender mitgenommen werden, damit sie in der Lage sind, die Partner zu prüfen, Defizite früh zu erkennen und bei Bedarf gegenzusteuern, empfiehlt Alkemade. Damit sollte es Microsoft nicht schwer fallen, den Übergang in das Services-Zeitalter für alle Beteiligten einfacher zu gestalten.

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