Neue Datenschutz-Einstellung in Google Chrome deaktiviert einige Microsoft 365-Funktionen

Drittanbieter-Cookies in Browsern gelten seit langem als Datenschutz-Risiko, weshalb Google schon vor längerem ein Ende dieser Technik in Chrome ankündigte. Aktuell beginnt der Konzern mit der Deaktivierung, allerdings in einer ersten Phase nur bei einem kleinen Teil der Chrome-Installationen. Für Microsoft 365-Nutzer führt das zu gewissen Problemen, weil einige Funktionen nur mit Drittanbieter-Cookies korrekt arbeiten.

Third-Party-Cookies zeichnen sich dadurch aus, dass sie für andere Domänen gespeichert werden als die, die in der Adresszeile des Browser angezeigt wird. Über diesen Mechanismus sind Werbenetzwerke in der Lage, die Aktivitäten der Nutzer über mehrere Websites hinweg zu verfolgen.

Tracking des User-Verhaltens über Anzeigen

Werbeanzeigen, wie beispielweise jene von Google, sind normalerweise über einen iFrame in Webseiten eingebettet. Von dort aus setzen sie Cookies für ihre eigene Domäne, also etwa für google.com. Öffnet man anschließend weitere Websites, die ebenfalls Anzeigen über Google ausliefern, dann kann der Ad-Server dank der gespeicherten Cookies erkennen, welche Seiten die User vorher besucht haben und an welchen Themen sie interessiert sind.

Google steht wie andere Digitalkonzerne deswegen zunehmend unter Druck und arbeitet daher an einem neuen Konzept namens Privacy Sandbox, das die Privatsphäre der Anwender stärker respektieren soll. Dazu gehört auch das Blockieren von Drittanbieter-Cookies.

Die Cookie-Blockade wird von einer Option zum Standard

Alle gängigen Web-Browser bieten schon seit längerem die Möglichkeit, die Cookies von Drittanbietern zu blockieren. Diese Einstellung ist per Voreinstellung in Chrome aber nicht aktiv. Dies soll sich nun ändern.

Im ersten Halbjahr 2024 schaltet der Browser-Hersteller dieses Feature auf einem Prozent der Geräte scharf, wobei die Auswahl nach einem Zufallsprinzip erfolgt. Ab dem dritten Quartal soll dies zur Standard­einstellung werden.

Googles Fahrplan zur Ausmusterung von Drittanbieter-Cookies in Chrome

Der bereits angelaufene Test auf einer limitierten Zahl an Geräten zeigt, dass Microsoft 365 mit dieser Umstellung Schwierigkeiten hat. So soll das Blockieren von Drittanbieter-Cookies dazu führen, dass Benutzer keine SharePoint-Sites anlegen, nicht auf das OneDrive im System-Tray zugreifen oder die Registerkarte Datei in Microsoft Teams öffnen können.

Noch keine Stellungnahme von Microsoft bezüglich Edge

Microsofts Edge-Browser basiert bekanntlich auf der selben technischen Plattform wie Google Chrome. Bisher kam von Microsoft aber noch keine offizielle Stellungnahme zur weiteren Handhabung der Thirdparty-Cookies. Entsprechende Tests sollen jedoch bereits laufen. Und da sich die Werbeindustrie allgemein auf eine Abkehr von dieser Art von User-Tracking geeinigt hat, dürfte sich auch Microsoft bald einreihen. Entsprechende Änderungen im Microsoft 365-Code, die die Probleme mit dieser Einstellung beheben, sollten daher nur noch eine Frage der Zeit sein.

Abhilfe mit alten Drittanbieter-Cookie-Einstellungen

Wenn Anwendungen mit der neuen Standardeinstellung nicht zurechtkommen, dann können Anwender diese so ändern, dass die Cookies von Drittanbietern zugelassen werden. Diese Option findet sich unter Datenschutz und Sicherheit (chrome://settings/cookies).

Einstellung für Drittanbieter-Cookies

Man muss diese Cookies aber nicht pauschal erlauben, sondern kann sie blockieren und unter Benutzerdefinierte Einstellungen für ausgewählte Websites erlauben.

Wenn Chrome auf einer Website die Cookies von Drittanbietern blockiert, dann zeigt es in der Adressleiste ein entsprechendes Symbol an. Klickt man darauf, dann kann man die betreffende Domäne auf die Whitelist setzen.

Drittanbieter-Cookies für einzelne Websites zulassen

Cookie-Einstellungen mit Gruppenrichtlinien verwalten

In verwalteten Umgebungen muss man die Cookie-Einstellungen nicht den Benutzern überlassen. Vielmehr kann man Drittanbieter-Cookies über Gruppenrichtlinien steuern.

Die zuständige Einstellung heißt Drittanbieter-Cookies blockieren und findet sich unter Computer- bzw. Benutzer­konfiguration => Richtlinien => Administrative Vorlagen => Google => Google Chrome.

Einstellung zur Steuerung von Drittanbieter-Cookies

Leider bieten die Gruppen­richtlinien keine Möglichkeit, bestimmte Domänen von der Blockade auszunehmen. Wenn man sie wegen inkompatibler Anwendungen hier zulässt, dann gilt dies pauschal.

Man kann sich höchstens dadurch behelfen, dass man Cookies nach dem Ende jeder Sitzung automatisch löscht, um das Tracking einzuschränken.

Alle Cookies nach dem Ende der Sitzung löschen

Diese Aufgabe übernimmt die Einstellung Browserdaten beim Beenden löschen. Hier trägt man nach dem Aktivieren den Wert cookies_and_other_site_data ein. Diese Maßnahme kann jedoch unerwünschte Nebeneffekte haben, etwa weil sich User jedes Mal neu an den Anwendungen anmelden müssen.

Zusammenfassung

Google macht langsam Ernst mit dem standardmäßigen Blockieren von Drittanbieter-Cookies, weil diese vor allem für das Tracking von Benutzern eingesetzt werden. Bestimmte Anwendungen wie Microsoft 365 hängen jedoch von dieser Technik ab, so dass die neue Standardeinstellung dort zumindest vorübergehend zu Problemen führen kann.

Benutzer müssen solche Cookies dann nicht pauschal zulassen, sondern können diese gezielt für einzelne Websites zulassen. Verwaltet man die Drittanbieter-Cookies über die Gruppenrichtlinien, dann besteht diese Möglichkeit dort jedoch nicht.

(Der Originalbeitrag ist auf Windowspro.de erschienen.)

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