Reality-Check 'digitale Souveränität': Ist Microsoft 365 einfach ersetzbar durch Libre Office oder Google Workspace?

Angesichts wachsender politischer Unsicherheiten werden Forderung nach mehr digitaler Souveränität lauter. Im Zentrum der Debatte steht dabei auch Microsoft 365, wie zuletzt ein Streit innerhalb der bayrischen Staatsregierung zeigte. Kritiker fordern den Umstieg auf europäische Alternativen, Befürworter halten Microsoft aktuell für unverzichtbar. Welche Wechseloptionen rein technisch überhaupt möglich sind, zeigt unser direkter Feature-Vergleich zwischen Microsoft 365, Libre Office und Google Workspace.

„Die Diskussion um die digitale Souveränität wird in Deutschland und Europa zunehmend emotional und oft populistisch geführt“, stellte die deutsche Microsoft-Anwendervereinigung mbuf kürzlich in einem Kommentar fest. Wie hitzig inzwischen die mediale Berichterstattung geführt wird, zeigte sich zuletzt beim öffentlich ausgetragenen Disput in der bayrischen Staatsregierung zur anstehenden Microsoft-Lizenzverlängerung. Dieses Ereignis machte wieder mal deutlich, dass auf sachlicher Ebene dringender Aufklärungsbedarf besteht.

Microsoft 365 vs Libre Office: Open-Source-als Alternative?

In der Berichterstattung meldete sich unter anderem die Open Source Business Alliance (OSBA) zu Wort. Sie kritisierte, dass Bayern binnen fünf Jahren eine Milliarde Euro der heimischen Wirtschaft entziehe: „Für einen Bruchteil der Lizenzkosten könnte die regionale Wirtschaft selber Alternativen aufbauen.“ In diesem Zusammenhang wurde vielfach auf die neue IT-Strategie des Landes Schleswig-Holstein verwiesen. Dort entschied die Regierung, dass die 30.000 Arbeitsplätzen in der Landesverwaltung auf Linux und Open-Source-Office-Apps umgestellt werden.

Für einen Bruchteil der Lizenzkosten könnte die regionale Wirtschaft in Bayern selber Microsoft-Alternativen aufbauen.

Open Source Business Alliance

Was sind überhaupt adäqate Digital-Workplace-Lösungen?

Wenn nun in Medien und Politik immer öfter Forderungen nach mehr digitaler Souveränität gestellt werden, sind auch Antworten von fachlich involvierter Seite gefragt. Ist es tatsächlich so einfach, Microsoft-Infrastrukturen auf breiter Front auszutauschen? Funktioniert das vielleicht im öffentlichen Sektor , aber eher nicht in mittelständischen und großen Unternehmen?

Damit Entscheider wie IT- und Fach-Experten hier ihr Gewicht in die Waagschale werfen und die für sie relevanten Fakten in die Debatte einbringen können, ist erst mal ein Lagebild gefragt. Zu klären ist, was der Status-Quo bei den wichtigen Digital-Workplace-Lösungen ist, und welche seriösen Optionen überhaupt zur Wahl stehen.

Microsoft 365 vs Libre Office vs Google Workspace

Fundierte Infrastrukturdebatten benötigen Faktenbasis

Um die aktuelle Marktsituation bei digitalen Arbeitsplatzlösungen darzustellen, bietet sich eine Gegenüberstellung der relevanten Player an. Exemplarisch habe ich für diesen Vergleich die Open-Source-Suite Libre Office und die Enterprise-Lösung Google Workspace ausgewählt. Mit Hilfe der Perplexity-KI wurden die wichtigsten Funktionen für geschäftliche Szenarien ermittelt und als Vergleichstabellen ausgegeben.

Der Anspruch ist dabei nicht, eine wissenschaftliche Studie zu erstellen. Stattdessen geht es zunächst einmal darum, Ankerpunkte für Debatten und Evaluierungen zu setzen. Denn erst wenn die Grundanforderungen an Office- und Collaboration-Suiten bekannt sind, lässt sich fundiert über die wirtschaftlichen und politischen Dimensionen von Workplace-Infrastrukturen diskutieren.

Vergleichbarkeit von M365, Libre Office, Google Workspace?

Ein Vergleich von Microsoft 365 mit Libre Office und Google Workspace mag manchen wegen der großen Unterschiede als unangemessen erscheinen. Doch spiegelt diese Konstellation die Bandbreite der Debatten wieder, wie sie rund um digitale Souveränität und Microsoft-Alternativen geführt werden. Sollte daher eine derartige Analyse zu der Erkenntnis führen, dass sich manche Lösungen nicht vergleichen lassen, dann wäre auch damit etwas für die Debatte gewonnen.

Für die Auswahl dieser drei Alternativen spricht, dass sie die gesamte Breite der Szenarien abdecken, von der minimalen Office-Arbeitsplatzausstattung bis zu Intranet, Dokumentenmanagement und Geschäftsprozess-Unterstützung.

Airbus ist vor Jahren auf Google Workspace migriert

Google Workspace steht dabei exemplarisch für ein umfassendes Cloud-System, wie es in ähnlicher Form die deutsche NextCloud oder Zoho anbieten. Zwar ist Google US-Anbieter, aber es spielt dafür in der Champions-League auf Augenhöhe mit Microsoft und kann nachweislich auch Konzernanforderungen erfüllen. Zu den bekanntesten Kunden zählt hier Airbus, die bereits 2018 mit dem Umstieg von Office 365 begonnen haben.

Libre Office gilt als wichtigste Alternative, wenn es um den Ersatz der Desktop-Office-Suite geht. Seine große Relevanz und Bekanntheit im Markt resultiert aus der Entwicklung als Open-Source-Projekt.

Fazit: Evaluieren geht vor populistischen Forderungen

Um ein zentrales Ergebnis dieses Vergleichs vorwegzunehmen: Eine echte Alternative zu Microsoft 365 über die Gesamtheit des Funktions- und Einsatzspektrums ist schwer auszumachen. Somit dürfte die wichtigste Erkenntnis sein, dass man besser die Finger von populistischen Forderungen und Ratschlägen lässt und sich ganz genau anschaut, welche Optionen sich für welche Aufgabenstellungen eignen.

Ab hier finden Sie die tabellarischen Übersichten zu Microsoft 365, Libre Office und Google Workspace mit einigen Zwischenfazits. Wie oben erwähnt wurden die Ergebnisse mit Hilfe von Perplexity erstellt, daher können einzelne Details eventuell ungenau sein:

Basis-Office-Funktionen für den Geschäftseinsatz:

Funktion

Microsoft 365

LibreOffice

Google Workspace

Echtzeit-Kollaboration

Ja
(Word/Excel/PowerPoint mit Co-Authoring) ​

Begrenzt
(nur Calc, keine native Echtzeit-Zusammenarbeit) ​

Sehr gut
(Docs/Sheets/Slides, simultan) ​

Dateikompatibilität

.docx/.xlsx als Marktstandard

Gut mit MS-Formaten, aber Formattreue-Probleme ​

Gut Export zu MS-Formaten, proprietär ​

Offline-Zugriff

Voll (Desktop-Apps)

Voll (Desktop-only)

Begrenzt (Browser-Cache) ​

KI-Integration

Microsoft Copilot ​

Keine Integration

Google Gemini

Enterprise-Funktionen

SharePoint, Teams, Compliance

Basis (Erweiterbar)

Google Drive, Meet, Workspace-Admin ​

Usability

Hoch (ausgereiftes UI)

Mittel (vertraut, aber altmodisch) ​

Hoch (minimalistisch, intuitiv) ​

On-Premises, Cloud und Kosten:

Suite

Bereitstellung

Kosten (2026)

GeschäftsRelevanz

Microsoft 365

Desktop + Cloud

Abonnement ~10–30 €/User/Monat

Hoch (Offline-fähig) ​

LibreOffice

Desktop (lokal)

Kostenlos, Open Source

Mittel (kein Cloud-Option) ​

Google Workspace

Cloud/Web

Abonnement ~6–18 €/User/Monat

Hoch (Cloud-only, einfach skalierbar) ​

Office-Apps: Kompatibilität und Formattreue:

Funktion

Microsoft 365

LibreOffice

Google Workspace

Textverarbeitung

Word: VBA-Makros, Änderungsverfolgung ​

Writer: Gute MS‑Kompatibilität, aber keine 100%-Layouttreue​

Docs: Einfach, aber limitiert bei komplexen Makros ​

Tabellenkalkulation

Excel: Pivot, Power Query, erweiterte Formeln ​

Calc: Stark bei Formeln, schwach bei VBA ​

Sheets: Fokussiert auf Zusammenarbeit, limitiert bei großen Datasets ​

Kompatibilität

Referenz mit .docx/.xlsx-Formaten ​

80 bis 90% Formattreue zu Microsoft

Proprietäres Format, guter Office-Export,

Präsentation

PowerPoint: Animationen, Morphing

Impress: Gut, aber weniger Effekte ​

Slides: Fokussiert auf Zusammenarbeit ​

Automatisierung, Sonderfunktionen, Spezialformate:

Funktion

Microsoft 365

LibreOffice

Google Workspace

Erweiterte Makros/VBA

Voll VBA-Unterstützung

Basis-Makros, kein VBA

Apps Script (JS-basiert) ​

Grafik/Vector (Draw)

Gut (Visio-Integration)

Exzellent (Draw als Vektor-Tool)

Begrenzt (kein natives Vector) ​

RTL-Sprachen (Arabisch)

Gut

Voll (HarfBuzz)

Gut ​

Spezial-Formate

Voll (SmartArt, Publisher)

Gut (ODF-nativ)

Keine (Web-fokussiert) ​

Fazit Office-Apps:

Microsoft Office (Microsoft 365), LibreOffice und Google Workspace unterscheiden sich besonders bei Kollaboration, Compliance, Offline-Fähigkeit und Integration. Wichtige Funktionen für den geschäftlichen Einsatz sind Sicherheit und Workflow-Automatisierung, während Nischen wie Vektorgrafik weniger zählen.

  • Microsoft 365 dominiert bei reinen Desktop-Anwendern
  • Google Workspace führt bei kollaborativem Arbeiten
  • LibreOffice bietet sich als kostenlose Offline-Alternative mit Kompromissen bei modernen UI-Standards an

Zusammenarbeit, Workflows, Dokumentenmanagement:

Funktion

Microsoft 365

LibreOffice

Google Workspace

Real-time Co-Editing

Gut (OneDrive/Teams, aber Sync-basiert) ​

Schwach (nur experimentell in Calc) ​

Exzellent (Docs/Sheets/Slides, simultan live) ​

Chat/Video-Integration

Voll (Teams, Outlook)

Keine

Voll (Chat, Meet) ionos​

Versionshistorie

Umfassend (SharePoint)

Basis (lokale Dateien)

Automatisch, granular ​

AI‑Tools

Copilot (Excel‑Analysen, Summary) ​

Keine native

Gemini (Docs/Sheets) reco​

Automatisierung

Power Automate/Apps

Makros (Basis)

Apps Script/AppSheet reco​

Offline/Performance

Voll (Desktop), 1TB+ OneDrive ​

Voll (lokal)

Begrenzt, Cloud‑first ​

Speicher

1TB/User (erweiterbar)

Unbegrenzt (lokal)

30GB–5TB/User ​

Fazit Zusammenarbeit und DMS:

  • Microsoft 365: Ideal für traditionellen Unternehmenseinsatz; viele Funktionen für Power User.
  • LibreOffice: Kostengünstige Option für Offline und Standard-Aufgaben; schwach bei Zusammenarbeit und Cloud-Integration.
  • Google Workspace: Bestens geeignet für agile, verteilte Teams (Echtzeit, Einfachheit); limitiert bei komplexen Aufgaben wie Analysen.

Vergleich Sicherheits- und Compliance-Funktionen:

Funktion

Microsoft 365

LibreOffice

Google Workspace

Verschlüsselung/DLP

Erweitert (Defender, Intune) ​

Basis (lokale Dateien)

Gut (DLP, aber konfigurierbar) ​

Compliance

HIPAA, DSGVO, granular Policies ​

Keine zentrale (selbst managen)

HIPAA, DSGVO (Endpoint-Mgmt Plus) ​

Admin‑Tools

Entra ID, Purview

Keine

Workspace Admin ionos​

Verschlüsselung und Datenschutz:

Feature

Microsoft 365

LibreOffice

Google Workspace

Encryption (Ruhe/Transit)

AES-256, BitLocker, Customer Key ​

Lokale Verschlüsselung (OS-abhängig), kein Cloud ​

AES-256, Client-Side (Enterprise) ​

Data Loss Prevention (DLP)

Erweitert (Purview, Policies) ​

Keine (manuell) ​

Gut (Endpoint-Mgmt, Content-Scanning) ​

Threat Protection und Authentifizierung:

Feature

Microsoft 365

LibreOffice

Google Workspace

MFA/Authentifizierung

MFA, Conditional Access, Passwort-los​

Kein natives (OS-User) ​

2SV, Context-Aware Access ​

Anti-Phishing/Malware

Defender ATP, Brand Impersonation ​

Nicht integriert (extern via AV-Erweiterung) ​

KI-basierend, Vault ​

Endpoint-Management

Intune, Defender for Endpoint ​

Kein ​

Enterprise MDM ​

Compliance und Auditing:

Feature

Microsoft 365

LibreOffice

Google Workspace

Standards

HIPAA, DSGVO, FedRAMP, SOC 2, eDiscovery +2​

Keine zertifiziert (selbst prüfen) ​

HIPAA, DSGVO, SOC 2, ISO 27001 ​

Retention/Audit Logs

Purview (Retention, Search, Export) ​

Lokale Logs (kein zentral) ​

Vault (Archivierung, Retention) fugo​

Admin-Kontrolle

Granular (Entra ID, Policies) ​

Keine zentrale ​

Einfach (Zero-Trust) ​

Fazit Sicherheit und Compliance im Geschäftseinsatz

Microsoft 365 und Google Workspace bieten umfangreiche Sicherheits- und Compliance-Funktionen für Enterprise-Office-Anwendungen. LibreOffice bietet hier kaum relevante Funktionen.

  • Microsoft 365 ermöglicht granulare Kontrolle und unterstützt regulierte Branchen wie Finanzwesen und Gesundheit mit Funktionen wie Purview für Audits. Das hybride Betriebsmodell bietet On-Premises-Integration.
  • Google Workspace: Stärkere Orientierung an SMB-Bedürfnissen mit Automatisierung und Phishing-Schutz. Cloud-Only.
  • LibreOffice ist überwiegend als Desktop-Tool konzipiert und benötigt für solche Einsatzzwecke externe Erweiterungen. Es verfügt über keine zentrale Verwaltung und Sicherheitsfunktionen und eignet sich in erster Linie für isolierte Offline-Nutzung.

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Ein Kommentar

  1. Der Beitrag bietet einen hilfreichen, nüchternen Blick auf die Frage, ob Microsoft 365 realistisch ersetzt werden kann. Der Funktionsvergleich zeigt klar: Alternativen existieren, doch sie erreichen nicht in allen Bereichen die Breite professioneller Anforderungen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Debatte um digitale Souveränität häufig politisch aufgeladen ist. In einer globalisierten Wirtschaft sollten technologische Entscheidungen jedoch weniger ideologisch geführt werden, sondern sich an Nutzen, Sicherheit und wirtschaftlicher Vernunft orientieren.