Microsoft startet mit Edge Chromium durch: Viele Neuerungen, Eigenständigkeit gegenüber Chrome

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Microsoft hat es tatsächlich geschafft, sich im „Browser-Krieg“ aus einer aussichtslosen Position mit einem noch lebenden Dinosaurier Internet Explorer 11 und einer Fehlentwicklung Edge wieder zurückzumelden. Der gerade erschienene „neue Edge“ erzeugt bereits viel positives  Echo, aber Microsoft hat auch noch einige Hausaufgaben abzuarbeiten. Hier der aktuelle Stand und die Liste der Weiterentwicklungen für die nächsten Wochen und Monate:

Höhepunkt: Internet Explorer 2004 mit einem Marktanteil von 95 Prozent.

Office 365 und SharePoint benötigen ihn zwingend als User-Interface: Den Web- Browser. Und Microsoft war auf diesem Feld mit dem Internet Explorer seit der Version 5 unangefochtener Marktführer, mit einem Höchststand von 95 Prozent im Jahr 2004. Doch die einstige Marktführerschaft ist lange schon Geschichte, der Vorsprung wurde in den vergangenen zehn Jahren aufgrund einiger Fehlentscheidungen völlig verspielt. Während sich Google mit einem immer ausgereifterem Chrome langsam an die Spitze setzte, begnügte sich Microsoft mit der halbherzigen Pflege des Internet Explorers.

Dinosaurier IE und Fehlstart Edge 1.0

Niedergang des IE, Aufstieg von Chrome, und ein Edge, der nie aus der Nische herauskam.

Mit Windows 10 und einem völlig neuartigen Edge-Browser sollte das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlagen. Doch der neue Browser legte einen blamablen Fehlstart hin, mit fehlenden Funktionen und mäßiger Kompatibilität macht er sich von Anfang an bei vielen Benutzern unbeliebt. Gleichzeitig schickten die Redmonder den IE im Versionsstand 11 aufs Altenteil, er wird lediglich mit Sicherheits-Patches künstlich am Leben erhalten. Was allerdings weiter notwendig ist, weil nur der IE bis heute eine 100-prozentige Kompatibilität für SharePoint garantiert. Und in vielen Firmen deshalb noch Verwendung findet. Somit war eine Zeit lang unklar, wie Microsoft überhaupt weiter verfahren würde: Wirft man endgültig das Handtuch und überlässt Google, und zu einem geringen Teil Firefox, den Markt? Oder findet man noch einmal ein Rezept für eine Wiederauferstehung?

Zurück im Spiel mit dem Chrome-Edge

Die Antwort ist inzwischen bekannt: Ein auf dem Chromium-Projekt basierender neuer Edge – Insider-Name #ChrEdge – soll Microsoft wieder ins Browser-Rennen zurückbringen. Und tatsächlich scheint der Wurf geglückt. Nach der noch etwa zähen Betatest-Phase erschien im Januar die erste Version, per Windows-Update wird sie nach und nach auf alle Client-Rechner ausgerollt. Die entscheidende Frage für viele Nutzer dürfte nun aber sein, ob man seine in der  Regel komplett konfigurierte Arbeitsumgebung tatsächlich wechseln möchte für einen zweiten Chrome-Browser „in blau-grün“, mit Microsoft-Logo?

Rundum-Sorglos-Migration von Chrome zu Edge

Die Ängste vor einem Konfigurations-Marathon zumindest sind schon bei der ersten Inbetriebnahme sofort verflogen: Microsoft hat sich sichtlich Mühe gegeben, den Umzug von Chrome (Google) auf Chrome (Microsoft) so einfach wie möglich zu gestalten. Wer zuvor mißtrauisch beginnt, findet dann nach wenigen Klicks einen neuen Browser vor, der alle gespeicherten Anmeldenamen und Passwörter für Dutzende oder Hunderte Web-Konten übernommen hat. Gleichzeitig bleibt der alte Chrome unberührt, so dass man in jedem Fall über eine Sicherung verfügt.

Offene Baustellen: Googles Chrome-Store aktivieren etc.

Ganz wichtig für das originale Chrome-Verhalten: Den Chrome-Webstore aufrufen und bestätigen, dass man externe Stores zulässt.

Ist damit jetzt alles gut, der Microsoft-Fan kann seinen Google Chrome deinstallieren und alles mit dem neuen Edge erledigen? Jein. Mit ein paar Funktionen ist Microsoft nämlich noch nicht fertig geworden, und es gibt eine Besonderheit zu beachten, auf die viele Umsteiger nicht von selber kommen werden. Gemeint ist der Zugang zum beinahe unerschöpflichen Reservoir an Browser-Erweiterungen, die man sich bei der Konkurrenz holen muss, im Chrome-Store. Dazu speichert man sich am besten die URL als Favorit und bestätigt beim ersten Aufruf, dass man Erweiterungen aus anderen Stores zulässt. Ob Microsoft mit dem eigenen Store gleichziehen will, ist bis dato nicht bekannt, aber vorerst auch nicht so wichtig.

Microsoft will sich mit UI-Funktionen von Google absetzen

Bleib momentan also noch die Frage, wann fehlende Funktionen wie das Synchronisieren von Erweiterungen über mehrere Endgeräte kommt, und was Microsoft an Funktionen bringen wird, die über jene von Googles Original hinausgehen? Das Entwickler-Team veröffentlicht dazu regelmäßig Funktions-Übersichten, und in der ganz aktuellen zeichnet sich bereits ab, wie sich Microsoft zukünftig im Bereich Usability vom Google-Original stärker absetzen will. Das sind die wichtigsten Neuerungen, die in den nächsten Wochen und Monaten geplant sind:

  • Synchronisierung installierter Browser-Erweiterungen zwischen mehreren Geräten aktivieren
  • Synchronisierung des Browserverlaufs zwischen Geräten aktivieren
  • Unterstützung für das Vorlesen von PDF-Dateien
  • Edge unter Linux
  • Einsatz von Ink/Stifteingabe auf Webseiten
  • Unterstützung von Themes aus dem Chrome-Webshop
  • Benutzerabfrage „Beim Schließen eines Browser-Fensters alle Registerkarten schließen“
  • Funktion zum Ablegen von Registerkarten analog zum alten Edge
  • Neugestaltung der Benutzeroberfläche in Richtung Fluent Design
  • Funktion „Ausführen/Öffnen/Speichern/Speichern“ beim Herunterladen von Dateien
  • Funktion „Frag Cortana“ aus der aktuellen Edge-Version
  • Registerkarten-Vorschau aus der aktuellen Edge-Version
  • Suchleiste in der neuen Registerkarte mit anderen Suchanbietern konfigurieren
  • Mausgesten für Aktionen wie Navigation und Schließen von Registerkarten
  • Anmeldung am Browser mit Google-Konto

 

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