Aus für Office via Terminal Server: Microsoft forciert Cloud-Modell, Anwender können noch ausweichen

Viele Unternehmen stellen die Office-Apps Word, Excel und Co. per Windows Terminal Server an den Arbeitsplätze bereit. Doch mit dem Windows Server 2022 ist Schluss damit, die Microsoft 365-Office-Apps laufen nicht mehr über RDP. Vorerst lässt sich diese Blockade umgehen, etwa über die Vorgänger-Server 2019 und 2016. Doch die Tendenz bei Microsoft geht klar in Richtung Azure und Cloud.

Der Klarheit halber ist zunächst einmal festzustellen, dass es hier um das klassische Office-Paket aus Office 365 geht, also um das frühere Office 365 ProPlus, das seit einiger Zeit Microsoft 365 Apps heißt. Betroffen von dieser Umstellung sind jene Firmen, die das Office-Paket auf einem Windows Terminal Server betreiben und per Remote Desktop Protocol (RDP) an die Arbeitsplätze ausspielen. Viele Benutzer kennen diese Technik auch über die Drittanbietervariante Citrix.

Microsoft macht noch keine klaren Aussagen zum Support-Ende

Fest steht heute schon, dass Office zukünftig nicht mehr über die Remote Desktop Services (RDS) funktionieren wird. Allerdings äußert sich Microsoft dazu wortkarg, Stand November 2021 gibt es noch keine verbindliche Aussage dazu, noch nicht einmal in den lizenzrechtlichen Dokumenten ist etwas zu finden. Folgende spärliche Information kann man auf einer Microsoft-Site zum Thema End of Support lesen:

„Microsoft 365 Apps wird auf Windows Server 2022 nicht unterstützt, obwohl Windows Server 2022 bis Oktober 2031 unterstützt wird.“

Die Nutzung von Office über Terminal Server ist seit langem gängige Praxis. Dabei geht es vor allem um die einfachere Administration und Bereitstellung. Office muss nur einmal zentral am Server installiert werden und kann an lizenzierte User im Firmennetz verteilt werden.

Dabei muss allerdings pro Nutzer oder Gerät eine Office-Lizenz vorhanden sein. Zusätzlich ist in Terminal-Server-Umgebungen auch eine Zugriffslizenz auf die Remote Desktop Session Dienste erforderlich, in diesem Fall die RDS-CAL (Client Access License).

Um welche Office-Varianten geht es?

Microsoft bietet das Office-Paket über die Cloud in folgenden Editionen an:

  • Microsoft 365 Apps for Business (früher Office 365 Business)
  • Microsoft 365 Apps for Enterprise (früher Office 365 ProPlus)

Microsoft 365 Apps for Business ist eine Abo-Lizenzform für einzelne Nutzer, die nicht über Remote Desktop Services bereitgestellt werden kann. Der technische Grund ist, dass die Funktion der Shared Computer Activation (SCA) fehlt, was die Voraussetzung für den Terminal-Server-Einsatz ist.

Microsoft 365 Apps for Enterprise verfügt über SCA und kann daher auf einem Terminal Server beispielsweise unter Windows Server 2019 oder 2016 genutzt werden.

Unter Windows Server 2022 laufen keine Microsoft 365 Apps mehr

Eine Zäsur markiert nun der Windows Server 2022: Auf dem neuen Server läuft keine der Microsoft 365 Apps Editionen mehr auf dem Terminal-Server, egal ob mit oder ohne SCA. Theoretisch ließe sich die klassische Kauf-Variante Office 2016/2019/2021 als Alternative verwenden. Diese Variante ergibt allerdings für Unternehmen wenig Sinn.

Auf erste Ankündigung 2018 folgten Proteste und ein Rückzieher

Dass Microsoft diesen Schnitt irgendwann machen würde, war zu erwarten. Der erste öffentliche Hinweis kam im Oktober 2018 auf der Ignite-Konferenz, im Nebensatz eines Vortrags. Damals hieß es zunächst, dass Office 365 ProPlus nicht mehr auf einem Windows Server 2019 RDS unterstützt werde.

In Anwenderkreisen löste das Proteste aus, es wurde sogar eine Petition eingereicht.  Ein anonymer Nutzer betitelt Microsoft sogar als verrückt, da die Cloud nach wie vor keine Option für ihn sei:

Nachdem auch große Microsoft-Kunden protestierten, machte Microsoft im Juli 2019 einen Rückzieher und gab bekannt, dass Office 365 ProPlus weiter unter Windows Server 2019 laufen werde:

Microsoft plant eine Zukunft ohne Windows Terminal Server

Wenn Ihre Organisation eine Version von Windows Server verwendet, die Microsoft 365 Apps nicht unterstützt, empfehlen wir, zu Windows Server 2019 oder Azure Virtual Desktop zu wechseln.

Welche Ziele verfolgt Microsoft damit mittel- und langfristig? In der Grafik unten kann man sehen, dass nur noch wenige Felder grün sind. Der Terminal Server gehört nicht mehr dazu. Grün bedeutet für Microsoft, dass sie die Kunden gerne dorthin migrieren möchten.

Und welche Alternativen soll es anstelle des Terminal Server geben? Die Empfehlung von Microsoft lautet, entweder eine ältere Version von Windows Server einzusetzen, oder gleich in die Cloud auf Azure zu wechseln: „Wenn Ihre Organisation eine Version von Windows Server verwendet, die Microsoft 365 Apps nicht unterstützt, empfehlen wir, zu Windows Server 2019 oder Azure Virtual Desktop zu wechseln.“ (Quelle)

Im Klartext heißt das: Keine Remote Desktop Services aus dem eigenen Rechenzentrum mehr, sondern Azure Virtual Desktop (AVD) und auch Windows 365.

Die Motivation dahinter ist recht offensichtlich. Microsoft ist der einzige Anbieter von Azure Virtual Desktop, diese Dienste können weder bei einem anderen Hoster noch im eigenen Rechenzentrum betrieben werden. Microsoft Cloud statt On-Premises steigert die Einnahmen bei Microsoft und beschert ihnen eine zentrale Marktstellung.

Vorerst bleibt der Windows Server 2019/16 die Alternativen für Office via RDP

Allerdings ist es noch nicht soweit. Auch wenn der Terminal Server des Windows Server 2022 keine Cloud-Office-Versionen mehr unterstützt, können Sie alternativ weiterhin den Windows Server 2019 oder 2016 einsetzen.

Auf mittlere Sicht jedoch, in etwa vier bis fünf Jahren dürfte Microsoft den Einsatz eines Terminal Servers schwerer verdaulich oder gar ungenießbar machen. Daher kann man wohl jetzt schon prognostizieren: Der Terminal Server ist tot.

Fakt ist, dass die Microsoft 365 Apps auf den Windows Servern 2019/2016 bis 14. Oktober 2025 unterstützt werden. Klarheit über die Support-Laufzeiten der verschiedenen Produkte liefert Microsoft hier.

Welches Office kann auf einem Terminal Sever eingesetzt werden?

Unsere Übersicht zeigt in den grünen Felder die strategisch von Microsoft begünstigten Kombinationen an. Beachten Sie dabei auch die Lebenszykluszeit der Office-Clients Office LTSC 2021, Office 2019 und Office 2016. Der früher übliche Produktlebenszyklus lag hier bei 10 Jahren und wurde inzwischen auf nur mehr 5 Jahre reduziert. Andere Office-Versionen, die über Volumenlizenzprogramme erhältlich sind, wurden Schritt für Schritt verteuert, der Produktlebenszyklus wurde reduziert und viele Funktionen lassen sich ohne die Microsoft Cloud gar nicht nutzen. 

Fazit: Der Terminal Server ist tot, Office wandert in die Azure-Cloud

Wenn Sie Office derzeit über einen Terminal Server betreiben, sollten Sie sich über die Zukunft Gedanken machen. Im Falle einer Migration auf Windows Server 2022 stehen Ihnen die Terminal-Services nicht mehr wie gehabt für Office zur Verfügung. Die Strategie von Microsoft ist klar: Auf Dauer sollen die Kunden auf die Azure-Cloud-Dienste umsteigen, der Terminal-Server ist tot.

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Axel Neumann
6 Monate her

Hallo, können die Enterprise-Lizenzen dann auch nicht mehr mit Windows Server 2022 über die Remotedesktop-Dienste auf einem Terminalserver genutzt werden? Vielen Dank und mdgV ANE

Carola Pantenburg
6 Monate her
Reply to  Axel Neumann

Hallo Herr Neumann, Sie sprechen von Microsoft 365 Apps for Enterprise. Genau richtig verstanden!

Maxi M.
4 Monate her

Die sagen: „Der Terminal Server ist tot“. Meinen Sie dies rein allgemein, oder im Bezug auf Office (365)?

Carola Pantenburg
2 Monate her
Reply to  Maxi M.

Hallo Maxi M., es wird den Terminal Server sicher noch eine Weile von Microsoft geben, aber eben nicht in der Kombination mit dem Office-Paket aus der Cloud. Das Office Paket als Kauflizenz (perpetual licence) ist fraglich, da teurer und weniger unterstützte Szenarien. So ist beispielsweise die pro Geräte-Lizenzierung nicht einfach auf einen HomeOffice-PC transferierbar, Bei weiteren Fragen, kommen Sie gerne direkt auf mich zu!

Maxi M.
2 Monate her

Hallo, leider kann ich erst jetzt antworten. Ich habe inzwischen gesehen, dass der „Terminal Server“ unter Win 10 auch nicht mehr unter den Server-Systemen eingeordnet ist, sondern eine Client-Edition ist mit dem Namen „Windows for Remote Sessions“. Wie sieht es diesbezüglich aus? Ich persönlich empfande ja schon immer, dass der Terminal-Server kein „Server“ ist, sondern tatsächlich eher zu den Client-OS gehört. Doch warum kommt Microsoft jetzt plötzlich nach 20 Jahren Windows ausgerechnet auf diese Idee zur Änderung?

DG
2 Monate her

Ist nicht ganz richtig. Man kann Office 2022 auf den Terminalserver installieren. Halt nur kein Microsoft365 Office.

Carola Pantenburg
2 Monate her
Reply to  DG

Das stimmt, so ist es auch aus meiner Kompatibilitätsübersicht ersichtlich. Man kann ja auch andere Apps als Microsoft Office terminalservermässig nutzen. Aber Microsoft wird uns mit der Nutzung von Office auf dem Terminal Server immer mehr in Richtung weg von On-Prem drängen…

Christian Sender
1 Monat her

Guten Tag Frau Pantenburg, kann es sein, dass Ihre Aussage nur auf das reine Office Produkt Microsoft 365 Apps/Enterprise zutrifft, aber die Pläne Office 365 E3/E5 Enterprise und Microsoft 365 E3/E5 Enterprise, die das Produkt ja auch enthalten, davon ausgenommen sind? Ich habe da jedenfalls bisher noch nichts von gehört oder gelesen.

Carola Pantenburg
1 Monat her

Hallo Herr Sender, ich wiederum habe noch nichts davon gehört, dass die Bundles funktionieren. Die Quelle besagt nichts weiteres. Wenn man jedoch die Strategie von MS in Betracht zieht, AVD zu pushen, dann macht es ja auch Sinn… VG Carola Pantenburg

Kommentarschreiber
29 Tage her

Tut mir leid, aber der Artikel ist recht unsachlich (Überschrift) und vermittelt ein völlig falsches Bild.
Office Standard per CSP oder im OpenValue und fertig ist die Sache.Und seit 2012 sind es die Remotedesktopdienste, Terminalserver gab es bis einschl. 2008.
Es wirkt, als wäre dies ein Sponsoring Artikel.
Auch im Server 2022 lassen sich die Microsoft 365 Dienste problemlos nutzen. Von einer „Beraterin“ erwarte ich mehr, vor allem mehr Differenzierungen, mehr Kentnisse und weniger plakative Äußerungen.

Carola Pantenburg
24 Tage her

Mein Ansatz als „Beraterin“ ist es, strategisch aufzuzeigen, wohin die Reise geht. Und das hat eben viel damit zu tun, was Microsoft von Kunden möchte. Und beachten Sie dass die perpetual Produkte sehr stark im EoS eingeschränkt sind und viele Szenarien nicht möglich sind, wie eben das Microsoft 365 Apps auf dem RDS 2022. Bitte differenzieren zwischen Microsoft 365 Dienste und Microsoft 365 Apps. Viele Grüße Carola Pantenburg