Lohnt sich die (Microsoft-)Cloud? Eine Kosten-Nutzen-Betrachtung aus der CFO-Perspektive (Teil 1)

Print Friendly, PDF & Email

Microsoft Cloud Laut einer Untersuchung des Bundesverbands der Digitalwirtschaft Bitkom ist der Rechenzentrumsmarkt in Deutschland ist ein Wachstumsmarkt, mit einem jährlichem Plus von 10 Prozent. Ein anderer Trend, der in einer gewissen Konkurrenzstellung dazu steht, ist der Markt der Cloud-Services. Laut einer aktuellem KPMG-Studie nutzen bereits über 50 Prozent der deutschen Unternehmen Cloud-Dienste. Weitere 24 Prozent überlegen, künftig auf Cloud-Lösungen zu setzen.

Von Cloud-first zu Coud-Only

Abgesehen davon, dass viele Organisationen mit No-Cloud-Policy trotzdem Cloud-Anwendungen nutzen, wird eine solche Strategie zunehmend unhaltbar.

Eine steile Prognose dazu liefert das Analystenhaus Gartner, das die Strategien der Softwarehersteller untersucht hat. Sie erwarten, dass bis 2020 viele Softwarehersteller ihre bisherige Cloud-first-Strategie durch eine Cloud-only-Strategie ersetzt haben werden. An der Cloud komme einfach niemand mehr vorbei, sagt Jeffrey Mann, Research Vice President bei Gartner: „Abgesehen davon, dass viele Organisationen mit No-Cloud-Policy trotzdem Cloud-Anwendungen nutzen, wird eine solche Strategie zunehmend unhaltbar.“

Hybrid bietet Flexibilität

Da in der Regel bereits Daten, Applikationen und Prozesse existieren, und meist auch noch länger an ältere Technologien gebunden sein werden, sind hybride Lösungen aus On-Premises-IT und Cloud gefragt. Dabei können kritische oder migrationsintensive Anwendungen erst einmal unverändert weiter laufen, und trotzdem lassen sich parallel dazu die Vorteile moderner Cloud-Lösungen nutzen. Ein Hauptvorteil für die IT-Abteilung durch Hybrid ist eine deutlich gesteigerte  Flexibilität. So ist es möglich, agil auf kurzfristige Anforderungen seitens der Geschäftsbereiche reagieren zu können.

Mit einer Hybrid-Cloud-Lösung geht ein deutlich höherer organisatorischer und finanzieller Aufwand einher.

Allerdings muss auch erwähnt werden, dass mit einer Hybrid-Cloud-Lösung ein deutlich höherer organisatorischer und finanzieller Aufwand einhergeht. Denn dabei muss ja sowohl ein eigenes Rechenzentrum unterhalten werden, als auch die Cloud und die Infrastruktur für den Hybrid-Betrieb angeschafft, eingerichtet, lizenziert und betrieben werden.

Cloud-Begriffe: Private, Public, On-Premises oder Hybrid?

  • Privat Cloud: Eine vom Unternehmen selbst betriebene Cloud Umgebung wie z.B. basierend auf dem Azure Stack von Microsoft.
  • Public Cloud: Die Public Cloud ist Eigentum eines IT-Dienstleisters und wird auch von diesem betrieben.
  • On-Premises: Das Unternehmen betreibt klassisch eigene Serverfarmen, um Anwendungen und Daten bereitzustellen.
  • Hybrid Cloud: Bei dieser Architektur werden Private Cloud oder on-prem Systeme mit einer Public Cloud gekoppelt.

Flexibles Rechenzentrum – oder Schatten-IT

Die Zeiten, in denen ein Rechenzentrum und mit ihm eine IT-Abteilung planbar und passiv Services zur Verfügung gestellt haben, sind vorbei. Heute sind Flexibilität und schnelle Reaktionszeiten auf veränderte Marktsituationen und Anforderungen der Geschäftsbereiche ein wesentliches Kriterium, das es zu erfüllen gilt. Wem das nicht gelingt, hat früher oder später mit dem Thema Schatten-IT zu tun.

Das ist auch eine der Kernaussagen der Gartner Studie Eight critical forces that will shape enterprise data center strategies for the next five years. Rakesh Kumar, Research Vice President bei Gartner sagt dazu in der Studie:

In den nächsten fünf bis zehn Jahren müssen die meisten Unternehmen ihren Ansatz für ihre Rechenzentrumsstrategien ändern, da der Nexus of Forces (Social, Mobile, Cloud und Information) die Technologienutzung beeinflusst. In der Vergangenheit wurden Rechenzentren ausschließlich als Service Delivery Center betrachtet, in denen Kosten und Risiko ausgeglichen werden mussten. Agilität, eine kritische dritte Variable, wird in Zukunft immer wichtiger werden. Agilität ist die Geschwindigkeit, mit der die IT-Organisation auf Geschäftsanforderungen reagiert, wie etwa die verstärkte Nutzung mobiler und sozialer Informationen.  Die Fähigkeit der IT-Organisation, schnell auf Veränderungen zu reagieren, wird ein Zeichen für ihre Agilität sein.

8 Punkte, die ein eigenes Rechenzentrum leisten muss (Gartner):

  1. Das Delivery-Modell überdenken
  2. Die Geschäftsprozesse verstehen
  3. Disaster Recovery und Business Continuity stärker gewichten
  4. Wachsende Kapazitäten bewältigen
  5. Auf Änderungen bei Betriebssystemen und Anwendungen vorbereiten
  6. Konsolidierung als Daueraufgabe
  7. Anlagen modernisieren
  8. Datenschutz und Datensicherheit

Je nach Cloudanbieter sind 70% bis 90% dieser 8 Punkte Bestandteil einer Outsourcing Strategie.

Eigenes Rechenzentrum, Co-Location oder Cloud

Neben den Szenarien „eigenes Rechenzentrum“ oder „Auslagerung der IT in die Cloud“ gibt es noch die Option ein Co-Location Rechenzentrum zu nutzen. Bei diesem Ansatz teilt man sich das Rechenzentrum und die grundlegende Infrastruktur wie Kühlung, Strom, Internetanbindung etc. mit anderen Kunden in einem Rechenzentrum. Der Anbietervergleich ISG Provider Lens Germany 2018 – Infrastructure & Datacenter/Private Cloud unterteilten den Co-Location Markt in die Segmente „Mid-Market“ und „Large Accounts“. Die Studie kommt zu folgendem Ergebnis:

Auch die Nutzung eines Co-Location- Rechenzentrums stellt in den meisten Fälle eine Umstellung von Capex auf Opex dar.

„Zahlreiche Anbieter erzielten einen Zuwachs im zweistelligen Prozentbereich, auch da sie verstärkt Services anbieten, die alle Infrastruktur-Umgebungen wie On-Premise, Private sowie Public Cloud auf einer Plattform vereinen und betreiben. Da komplexe Infrastrukturen, fehlendes Know-how und zu wenig geeignetes IT-Personal viele Unternehmen überfordern, haben sich zahlreiche Service-Anbieter auf diese Aufgaben spezialisiert und vorbereitet. Die Provider unterscheiden sich laut ISG vor allem darin, inwieweit sie ihr Angebot auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden zuschneiden können. Neben dem Betrieb haben viele Anbieter zudem die Unterstützung der Softwareumgebung in ihr Angebot mit aufgenommen. Außerdem positionieren sich zahlreiche Anbieter mit Zusatzservices in den Bereichen Security, Backup und Netzwerk und hier insbesondere mit dem Aufbau einer Software-Defined Datacenter (SDDC)-Umgebung.

Auch die Nutzung eines Co-Location Rechenzentrums stellt in den aller meisten Fälle eine Umstellung von Capex (Capital Expenditure – Investitionskosten) auf Opex (Operational Expenditure – operative Ausgaben) dar. Siehe dazu auch Kapitel Mieten vs. Leasen vs. Kaufen. Co-Location Rechenzentren müssen sich daher aus CFO-Sicht mit den Angeboten von Cloud Dienstleistern messen lassen.

Rechen-Exempel: „Die Cloud ist um Faktor zwei günstiger“

Als einfache und international anerkannte Metrik für das IT-Finanzmanagement gilt der Server Leistungswert (SLW). Klar ist, dass es unzählige Benchmarks zur Ermittlung von Leistungswerten und Kosten gibt. Auf der Ebene der Systemarchitekten und IT-Verantwortlichen gelten hierbei andere Maßstäbe als aus Sicht des IT-Finanzmanagement. Eine Bewertung mit einer Fehlerquote zwischen 10% und 20% ist hier durchaus annehmbar. Die Studie Urmeter Fürs Computing Revisited kommt zu folgendem Ergebnis:

Man wird nach anderen Vorteilen suchen müssen, wenn man das eigenbetriebene Rechenzentrum gegenüber einem Cloud-Angebot auf Dauer rechtfertigen will.

„Die Cloud-Angebote sind meist um den Faktor zwei günstiger sind, als eigenbetriebene Rechenzentren. Außerdem hat man beim eigenen RZ naturgemäß andere Nebenleistungen, Mitwirkungs- und sogar Einwirkungsmöglichkeiten. Jedenfalls wirken sich diese in höheren Kosten aus, weil sie fast immer in personellen Ressourcen ausmünden. Keinesfalls können diese Unschärfen aber einen doppelt so hohen Preis rechtfertigen und das gilt vor allem, je grösser das Computing-Volumen ist. Man wird also nach anderen Vorteilen suchen müssen, wenn man das eigenbetriebene Rechenzentrum gegenüber einem Cloud-Angebot auf Dauer rechtfertigen will.“

Entscheidunghilfe „Eigenes RZ versus Cloud“

Im E-Book Cloud Computing des IT-Verlages von Januar 2016 werden Methoden und Werkzeuge dargestellt, um die Entscheidung „eigenes Rechenzentrum oder Cloud“ zu evaluieren. Im Kapitel „Kostenrechnung: Was ist günstiger? Die Cloud oder das eigene Rechenzentrum?“ werden Methoden und Metriken ausführlich dargestellt. Auf Seite 49 zeigt das E-Book eine Beispielrechnung für unterschiedliche Cloudanbieter gegenüber einem eigenen Rechenzentrum:

Quelle: https://www.it-daily.net/ebook-cloud-2016

Es gibt deutliche Unterschiede unter den Anbietern, was mit Abrechnungsintervallen, Pre-Payed Services, Mengengerüsten und Standardpaketen zusammenhängt. Jedoch lediglich beim letzten Cloud Anbieter sind die Kosten höher als im eigenen Rechenzentrum.

[Zu diesem Thema gibt es auch einen eigenen Workshop. Infos dazu finden sie unter diesem Link.]

[Weiterlesen im zweiten Teil >>>]

Avatar

Nicki Borell

Nicki Borell – Mitgründer von Experts Inside, Gründer des Labels "Xperts At Work" und Partner der atwork GmbH.
Als freier Autor, Trainer und Berater ist Nicki Borell seit 2003 erfolgreich in der IT und HighTech Branche tätig. Zusammen mit seinem Team begleitet er Unternehmen in einem ganzheitlichen Ansatz hin zu modernen Lösungen die ihre Geschäftsprozesse unterstützen und optimieren. Sein Fokus liegt dabei auf dem Microsoft Technologie Stack und erstreckt sich von SharePoint über Office 365 bis hin zu Windows Azure. Nicki Borell ist professional Member der German Speaker Association e.V., Microsoft P-Seller, Microsoft Regional Director & MVP für Office Servers & Services.
Avatar
avatar