Die Geschichte von SharePoint: In 18 Jahren von Tahoe zu Office 365

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SharePoint wird in diesem Jahr 18 – Anlass genug, um mal einen Blick zurück zu werfen auf seine Anfänge, welche Ziele Microsoft verfolgte, und was bis heute alles erreicht wurde. Die offizielle Geschichte von SharePoint begann im Jahr 2001 mit der Veröffentlichung des SharePoint Portal Server 2001.
Von Patrick Rauch*

Ursprung: Zentrale Plattform für Office-Dokumente

Während der Entwicklungsphase liefen die beiden Vorläuferprojekte Office Server und Tahoe unter dem Codenamen Tahoe zusammen. Deren Ursprünge lassen sich bis 1996 zurückverfolgen. Damals starteten Jeff Teper und sein Team die Entwicklung unter der Vorgabe “Suche, Dokumente, Office und das Web sollen zusammenwachsen”.

Als technische Basis diente zunächst ein neues Speichermodell, das auf dem Web Storage System für Exchange 2000 aufbaute. Es beruhte auf hierarchischen Ordnerstrukturen und ermöglichte Zugriff und Aktualisierung von Inhalten über Internetprotokolle. Diese Öffnung in Richtung Web war aus damaliger Sicht revolutionär für Microsoft, und so konnte man erstmals auf Office-Dokumente über eine URL oder über Web DAV zugreifen. Weitere typische Dokumentenmanagement-Funktionen wie beispielsweise Check-in/Check-Out, Versionierung und Suchfunktionen kamen aus dem Tahoe-Projekt.

Die SharePoint-Versionen seit 2003

Von SharePoint Team Services zu Windows SharePoint Services

Gleichzeitig mit der Vorstellung des SharePoint Portal Server 2001 wurden auch die SharePoint Team Services als Bestandteil von Office 2000 veröffentlicht, um webbasierende Kollaborationsfunktionen zu ermöglichen. Schon im Jahr darauf erfolgte die Umbenennung in Windows SharePoint Services (WSS), die als kostenloses Feature in Windows Server 2003 integriert wurden. Mit WSS konnten Team-/Projekträume (Workspaces) für die Zusammenarbeit an Dokumenten oder anderen Inhalten bereitgestellt werden.

Im Jahr 2003 erschien die zweite Version Microsoft Office SharePoint Portal Server 2003, als Neuerung wurde das bis heute verwendete Speichermodell SQL Server eingeführt. Ab diesem Zeitpunkt konnten SharePoint-Funktionen entweder über die Windows Server Lizenz oder über eine eigene SharePoint Server Lizenz genutzt werden. Die umfassenderen Enterprise-Funktionen für Publishing, Suche und Dokumentenmanagement konnten nur im Paket genutzt werden.

Mit dem Erscheinen des Microsoft Office SharePoint Server 2007 im Jahr 2007 wurden erstmalig die SQL Server Reporting Services (SSRS) eingeführt. Microsoft ermöglichte mit den SSRS nun auch die Analyse, Aufbereitung sowie webbasierende grafische Darstellung großer Datenmengen. Daneben wurde auch die Integration der klassischen Desktop-Office-Suite ausgeweitet.

BPOS – der Grundstein für Office 365

Einen wichtigen Meilenstein für die spätere Cloud-Strategie legte Microsoft im Jahr 2008 mit der Einführung der Business Productivity Online Suite (BPOS). Zunächst in der USA und im Folgejahr weltweit ausgeliefert bot BPOS erstmalig einen Online Service aus SharePoint Online und Exchange Online und Web-basierender Benutzerverwaltung. Damit war der Grundstein gelegt für das heutige Office 365.

Wenig bekannt ist die Vorgeschichte, dass Microsoft bereits im Jahr 2002 mit seiner Hosted Exchange Solution den damals visionären Schritt ins Internet wagte. Als Zwischenschritt kamen die Collaboration Services 2005, die dann 2008 in das BPOS-Paket mündeten.

SharePoint 2010 legte den Fokus auf WCM

Neben dem Ausbau der Online Services arbeitete Microsoft natürlich auch an den SharePoint OnPremises-Versionen weiter. So folgte der SharePoint Server 2010, in den Microsoft unter anderem seine Enterprise Content Management (ECM)-Lösung integrierte. Microsoft positionierte ihn auch stark als Plattform für Web-Contentmanagement, mit der Folge, dass viele Unternehmen ihre Homepages oder Web-Shops auf SharePoint aufbauten.

Gleichzeitig brachte Microsoft auch noch den kostenlosen Ableger SharePoint 2010 Foundation, der SharePoint zu einem großen Popularitätsschub verhalf. Zu finden war er auch im Small Business Server, der zudem aus dem Windows Server, einer zentralen Benutzerverwaltung und Exchange bestand und auf Firmen mit bis zu 75 Nutzern abzielte.

SharePoint 2013: Neues UI und Social-Collaboration

Für SharePoint 2013 entwickelte Microsoft das in die Jahre gekommene Benutzererlebnis weiter und spendierte eine neue Oberfläche. Die Bedienung sollte einfacher werden, was sich vor allem bei der einfacheren Pflege und Verwaltung von Listendaten und Dokumenten bemerkbar machte – Stichwörter sind hier Quick-Edit und Drag & Drop.

Entsprechend dem damaligen Trend baute Microsoft auch die Social Networking-Funktionen stark aus, außerdem nach der FAST-Übernahme die Suchfunktionen. Doch schon bei der Produktpräsentation Ende 2012 machte Microsoft einen Rückzieher und gab bekannt, dass die Social-Funktionen nicht mehr weiterentwickelt würden, nachdem man im selben Jahr Yammer übernahm.

Zum ersten Mal tauchte auch OneDrive for Business auf, damals noch unter dem Namen SkyDrive Pro.

Office 365 – Premiere der großen Cloud-Suite

Office 365 wurde offiziell im Juni 2011 vorgestellt. Microsoft bot damit erstmals SharePoint, Exchange, Lync (später Skype for Business) und die Office Web Apps als Cloud-Service an. Zwei Jahre später erschien dann zum ersten Mal Power BI, das anfangs als Bestandteil von Excel bereitgestellt wurde.

Ein weiterer wichtiger Meilenstein waren 2014 die Office 365 Groups, die Microsoft als Alternative zu den Site Mail Boxes präsentierte. Zielgruppe waren Benutzer, die primär Outlook für ihre tägliche Arbeit verwendeten, und auf diese Weise Verteilerlisten, Dateiablage sowie ein OneNote-Notizbuch erhielten.

SharePoint 2016 – wenig Neues

SharePoint 2016 brachte im Vergleich zu SharePoint 2013 keine grundlegend neuen Funktionen für die Anwender. Primär wurde die Architektur und Infrastruktur weiterentwickelt, indem zum Beispiel nun auch hybride Szenarien mit Office 365 umgesetzt werden konnten – also die Verzahnung eines On-Premises-Servers mit den Online-Diensten.

Microsoft hat zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich deutlich signalisiert, dass man die Weiterentwicklung von Office 365 fokussiere. Dazu passte auch die Abkündigung der kostenlosen SharePoint Foundation, um auch mehr kleinere Kunden für die Office 365 Cloud zu gewinnen.

Microsoft Teams – der neue Collaboration-Star

Nachdem Slack innerhalb weniger Jahre mit seiner Business-Chat-App sehr große Erfolge erzielte, reagierte Microsoft 2017 mit seiner neuen Kommunikations-App Teams. Strukturell baut es auf dem Konzept von Office 365 Groups auf, beim Erstellen eines Teams wird im Hintergrund automatisch eine Office 365 Group erzeugt. Nachdem Microsoft immer mehr Funktionen von Skype for Business übernommen hat, entwickelt sich Teams zügig zur neuen Kommunikations- und Kollaborationsplattform. Die Funktions-Parität mit Skype for Business wurde bereits offiziell verkündet, für die Zukunft soll es in Richtung zentraler Business-Plattform gehen.

SharePoint 2019 – mit Modern(isierter) UI

Mit der aktuellen Version SharePoint 2019 adressiert Microsoft wieder das alte Kernthema Intranet. Auffallend ist auf den ersten Blick das neue User-Interface „Modern-UI“, das sich in den modernen Team- und Communication-Sites niederschlägt. Auch der bereits aus Office 365 bekannte neue Seiten-Editor ist in SharePoint 2019 verfügbar. Allerdings müssen On-Premises-Nutzer auf typische Cloud-Funktionen aus Office 365 wie Groups oder HubSites weiterhin verzichten.

„Rundum-sorglos-Paket“ Microsoft 365

Fast zeitglich mit dem Marktstart von Office 2019 Version brachte Microsoft sein großes Cloud-Paket Microsoft 365 auf den Markt. Die Suite enthält laut Microsoft alle notwendigen Komponenten für den „Modernen Arbeitsplatz“. Das beginnt bei Office 365, hinzu kommen Windows 10, die neuen Microsoft Security & Compliance Services sowie Funktionen für Device Management. Als Zielgruppe hat Microsoft vor allem den Mittelstand im Visier.

Wie geht es weiter mit SharePoint?

Der klassische On-Premises-Server wird auch in den nächsten Jahren weiter erhalten bleiben, wie die Microsoft-Verantwortlichen zuletzt immer wieder betonten. Im Office 365-Paket wird er in nächster Zeit vor allem in Richtung Intranet- und Publishing-Portal weiterentwickelt werden. Es deutet also auch 18 Jahre nach der Markteinführung alles auf eine Fortführung der Erfolgsgeschichte hin.

*Patrick Rauch ist Sales & Business Development Manager bei der Lansco GmbH in Hof

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Toller Rückblick! Danke!